Wer ein E-Bike gebraucht kaufen möchte, steht einem wachsenden Angebot gegenüber. Ähnlich wie beim Kauf eines gebrauchten Autos  gibt es dabei aber einige Fallstricke. Unsere Infos und zehn Tipps zum Kauf von E-Rädern aus zweiter Hand.

Neu oder gebraucht? Diese Frage stellen sich Viele, die sich ein Pedelec oder E-Bike zulegen möchten. Dafür spricht in jedem Fall der Preis. Ein neues Modell kostet im Schnitt 2.500 Euro. Nach oben gibt es keine Grenzen. Es ist also verlockend, sich ein gebrauchtes Markenmodell zum günstigen Preis zu sichern.

E-Bikes mit Lebenserfahrung

Allerdings bringen die „Gebrauchten“ auch Lebenserfahrung mit, das heißt mit ihrem Vorbesitzer sind sie schon einige Kilometer gefahren. Je nach Alter gibt es bereits Verschleiß am Material. Außerdem kann es schon Schäden am Rad/der Technik gegeben haben, zum Beispiel weil es umgefallen ist oder der Vorbesitzer einen Unfall hatte. Das muss beim Kauf berücksichtigt werden.

Händler oder privat?

Mittlerweile verkaufen viele Händler auch gebrauchte Modelle. Der Vorteil: Auch nach dem Kauf gibt es einen Ansprechpartner und das Rad ist geprüft. Außerdem gibt der Händler laut Verband des deutschen Zweiradhandels (VDZ) eine einjährige Gewährleistung. Gleichzeitig wächst das Angebot an E-Bikes aus privater Hand, vor allem online. Entsprechend sind auch die Möglichkeiten, gute Preise auszuhandeln. Allerdings müssen Rad, Zubehör und Nachweise genau unter die Lupe genommen werden, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Zehn Tipps für den Kauf

Wir haben daher Tipps zusammengetragen, die beim Kauf hilfreich sein können:

  1. Eindruck über Pflege und Zustand gewinnen

Am besten ist es,  sich das E-Bike vor Ort selbst anzusehen. Das gibt Eindruck über den Zustand. Wichtig ist zum Beispiel die Pflege: Sind Kette und Ritzel in Ordnung? Diese werden bei Pedelecs/E-Bikes mehr beansprucht als bei Rädern ohne Tretunterstützung. Ähnlich sieht es mit den Bremsen aus. Die haben schließlich Einiges zu leisten. Wie sehen außerdem Nabe und Rahmen aus? Vielleicht gibt es auch ein Checkheft, das Aufschluss verschafft.

  1. Alter von E-Bike und Akku in Erfahrung bringen

    Wer ein gebrauchtes E-Bike kaufen möchte, sollte auch auf den Zustand von Kette und Ritzel achten. Foto: Republica/Pixabay

    Wer ein gebrauchtes E-Bike kaufen möchte, sollte auch auf den Zustand von Kette und Ritzel achten. Foto: Republica/Pixabay

     

Das Alter von E-Bike und Akku ist wichtig für den Verschleiß und damit deren Lebensdauer. Letztere fällt beim Akku je nach Typ aus. Ist das E-Bike schon länger unterwegs und hat immer noch denselben Akku wie beim Erstkauf, muss dieser unter Umständen zeitnah getauscht werden. Das Geld dafür kommt dann zum Kaufpreis hinzu. Ältere Akku-Typen sind zudem anfälliger für Ladungsverluste.

  1. Nach Schäden fragen

Im Idealfall ist das E-Bike unfallfrei und musste nur kleinere Schäden verkraften. Vielleicht sind aber auch Hinweise auf Beschädigungen zu entdecken (z.B. Kratzer/Beulen). In jedem Fall ist Nachfragen ratsam. Gab es Stürze oder Unfälle, sind auch unsichtbare Schäden möglich (s. Punkt 4). Gab es Reparaturen, sollten die Nachweise vorliegen.

  1. Akku und Ladegerät prüfen

Auffälligkeiten sind etwa Risse, Schrammen oder Dellen. Die Zellen des Akkus können im Falle eines Sturzes oder eines Unfalls beeinträchtigt sein. Außerdem kann Feuchtigkeit eintreten und Schaden verursachen. Außerdem sollte das Original-Ladegerät vorhanden sein und funktionieren. Ein anderes kann zum Beispiel überhitzen oder den Akku schädigen. In diesem Fall erlischt die Gewährleistung.

  1. Elektrik prüfen

Die Kabel sollten ordentlich sitzen. Am besten auch Display und Akku abnehmen und wieder anbringen, bevor es zur Testfahrt geht (s. Punkt 7). Wichtig ist außerdem, ob etwas an der Elektrik geändert wurde: Es gibt zum Beispiel Steuergeräte, die sich zwischen Motor und Display „setzen“ lassen, um das Rad schneller zu machen. Das kann allerdings gefährlich werden und zum Beispiel Probleme mit dem Versicherungsschutz (s.u.) geben.

  1. Diagnosebericht vorlegen lassen

Der Diagnosebericht wird vom Fachhändler angefertigt. Mit einem Tool kann er verschiedene Daten auslesen, zum Beispiel Kilometerstand und Anzahl der Ladezyklen. Das sind wichtige Informationen zu Allgemeinzustand und Lebensdauer des E-Bikes.

  1. Probefahren

Beim Probefahren lassen sich schließlich Tretunterstützung, Bremsen und Licht noch einmal in der Praxis testen. Sind etwa die Kontakte von Display und Akku nicht in Ordnung, ist das zu merken. Das Fahrgefühl entscheidet am Ende auch darüber, ob das E-Bike passend ist.

  1. Gut absichern

Es sind also viele Details zu beachten. Nützlich ist eine Checkliste, um alles Punkt für Punkt abhaken zu können. Wer sich unsicher ist, kann zum Treffen auch eine Begleitung für die zweite Meinung mitnehmen. Werdet ihr euch mit dem Verkäu

Auch im Fahrradhandel gibt es mittlerweile gebrauchte E-Bikes und Pedelecs. Foto: Pexels/pixabay

Auch im Fahrradhandel gibt es mittlerweile gebrauchte E-Bikes und Pedelecs. Foto: Pexels/pixabay

fer einig, lasst euch unbedingt alle wichtigen Nachweise aushändigen.

  1. Im Zweifel zum Fachhändler

Vielleicht kann der Verkäufer nicht alle Fragen beantworten oder hat nicht alle Nachweise zur Hand. Sollte trotzdem ernsthaftes Interesse an dem E-Bike bestehen, lohnt sich ein Check beim Fachhändler (Technik, Mechanik). Darüber hinaus kennt er laut VDZ auch die Systeme, bei denen es Probleme bei der Verfügbarkeit von Ersatz- und Verschleißteilen gibt.

  1. Versicherungsschutz: Vorher Eckdaten klären

Auch wer ein gebrauchtes E-Bike kauft, möchte es unter Umständen mit einer Fahrradversicherung schützen. Ob es sich lohnt, entscheiden Rad, Nutzungsverhalten und persönliches Sicherheitsbedürfnis. Nicht alle Versicherer nehmen gebrauchte E-Bikes/Pedelecs auf. Es lohnt sich also, gezielt nachzufragen. Sollte eine Versicherung möglich sein, klärt ihr am besten noch, zu welchen Bedingungen gebrauchte Bikes in Deckung genommen werden. Meist braucht ihr für den Abschluss den Original-Händlerbeleg. Häufig darf das E-Bike außerdem ein bestimmtes Alter nicht überschreiten.

 

Aufmacherfoto: Catkin/pixabay