Gesehen werden ist auf dem Pedelec/E-Bike lebenswichtig. Im Verkehrsgewühl und bei schlechten Lichtverhältnissen federt eine gut angebrachte Beleuchtung viel ab. Vielleicht habt ihr Stand-/Tagfahrlicht oder sogar Fern- und Bremslicht. Besonders das Abbiegen bleibt aber häufig heikel, weil das Handzeichen leicht übersehen wird. Beim Autofahren hilft der Blinker. Welche Möglichkeiten es für bei E-Bikes und Pedelecs gibt und was ihr beachten müsst.

Blinker für Pedelecs und E-Bikes: Das ist erlaubt

Front- und Rückscheinwerfer lassen sich relativ schnell und unkompliziert nachrüsten. Da liegt die Vermutung nahe, dass es bei Blinkern für Pedelecs und E-Bikes genauso funktioniert. Irrtum.  Die gesetzlichen Bestimmungen für die Fahrradbeleuchtung sind seit Juni 2017 zwar deutlich nutzerfreundlicher geworden. Seitdem sind neben Tagfahr-, Fern- und Bremslicht auch Blinker erlaubt. Allerdings gilt das nicht für alle Fahrräder, E-Bikes und Pedelecs (bis 25 km/h). Laut geänderter StVO dürfen nur mehrspurige Fahrräder oder solche, bei denen eine Aufbau das Handzeichen zum Abbiegen verdeckt, einen Blinker haben. Darunter fallen beispielsweise dreirädrige E-Liegeräder oder Fahrradrikschas.  An anderen Rädern sind installierte Blinkanlagen nicht erlaubt, man darf sie aber zusätzlich am Körper tragen, schreibt der pressedienst fahrrad.

Alles muss gut sichtbar sein

Auch an mehrspurigen Rädern darf der Blinker aber nicht irgendwo angebracht sein. Die StVO bestimmt, dass er aus verschiedenen Blickwinkeln für Andere sichtbar sein muss.  Außerdem muss es bei einer Fehlfunktion ein Warnsignal geben, zum Beispiel durch einen Warnton oder eine Leuchte. Wie das aussehen kann, zeigt zum Beispiel der Liegerad-Spezialist HP Velotechnik. Die Blinkanlage „Wing Bling“ wird vor dem Kettenblatt und am Gepäckträger montiert. Das Set kann nachgerüstet werden, wird aber auch direkt vom Hersteller verbaut. Das Nachrüst-Set fürs Liegerad ist mit knapp 400 Euro aber auch recht kostspielig.

Helme mit Blinker

Eine andere Lösung können Fahrradhelme mit Blinker sein.

Ein Hinweis vorweg: Auch mit diesen Blinkern müsst ihr das Abbiegen zusätzlich per Handzeichen ankündigen!

Helme mit Abbiegelicht bieten zum Beispiel Lumos oder Livall. Sie sind mit LEDs ausgestattet. Diese sind je nach Modell unterschiedlich platziert, zum Beispiel mit weißen LEDs vorne für bessere Sichtbarkeit und roten/orangen LEDs hinten und seitlich für Brems- und Abbiegelicht. Die Steuerung des Blinkers funktioniert über Knopfdruck. Dazu wird eine Fernbedienung am Lenker angebracht, die drahtlos mit dem Helm kommuniziert. Einige Helme lassen sich direkt mit der Fernbedienung koppeln, andere brauchen dazu ein Smartphone.

Je nach Modell werden über die Fernbedienung auch weitere Funktionen gesteuert. Das können integrierte Anruf-Funktionen oder  Navigations-Ansagen per Lautsprecher sein. Einige Modelle bieten auch ein SOS-System, dass bei einem Notfall eine Nachricht absetzt. Vereint der Hersteller die Schaltzentrale dieser Funktionen in einer App, kommt ihr nicht ohne das Smartphone aus, wenn ihr den Helm unterwegs nutzen wollt. Mit Hilfe dieser Apps lassen sich auch Einstellungen ändern oder der Akkustand des Helms ablesen. Die integrierten Akkus des Helms halten je nach Nutzung. Um die Zeit bis zum nächsten Laden zu verlängern, lassen sich bei einigen Modellen Funktionen ausschalten. Helme mit Blinker sind ab 100 Euro zu haben – je mehr Funktionen, desto höher der Preis.

Rucksäcke mit Blinker

Eine andere Möglichkeit sind wasserfeste Rucksäcke mit eingebauter Richtungsanzeige. Wichtig: Auch diese Rucksäcke ersetzen das Handzeichen zum Abbiegen nicht. Die Modelle haben hinten eine flexible LED-Anzeige, die beim Abbiegen die Richtung anzeigt. Die Lichtsignale werden auch hier per Knopfdruck durch eine Fernbedienung am Lenker gesteuert. Es gibt Modelle, bei denen in einer brenzligen Situation oder bei starkem Abbremsen auch ein Warnsignal gegeben werden kann. Dann erscheint im Display zum Beispiel ein rotes Ausrufezeichen oder ein Warndreieck. Hersteller sind zum Beispiel Lixada eelo Cyglo.

Kleines Plus: Manchmal lassen sich die Rucksäcke auch platzsparend falten und mit einem Reißverschluss zu einem Mäppchen machen. Basis-Modelle mit Blinker sind schon ab einem Preis von rund 25 Euro zu haben.

Unser Fazit

Die Sichtbarkeit erhöhen Blinker für Pedelecs und E-Bikes auf jeden Fall. Wer nicht gerade ein dreirädriges Modell fährt, muss aber noch auf Alternativen wie Helme oder Rucksäcke mit Abbiegelicht zurückgreifen. Allerdings sind Blinker am Fahrrad generell noch selten im Einsatz, sodass andere Radfahrer und auch Autofahrer sich erst an die Lichtzeichen gewöhnen müssen und vielleicht ihrerseits unsicher/verzögert reagieren. Ob eine der Lösungen für euch in Frage kommt, entscheiden nicht zuletzt euer Sicherheitsempfinden und euer Geldbeutel.

Es darf euch nicht stören, dass ihr bei einigen Helmen in gewissen Situationen nicht ohne euer Smartphone auskommt. Rucksäcke mit LED-Display sind vor allem etwas für diejenigen, die sowieso immer mit Tasche oder Rucksack fahren. Bricht die drahtlose Verbindung zwischen Helm/Rucksack und Fernbedienung mal ab, ist auch das Blinken nicht möglich.

Wem das alles zu kompliziert ist, greift vielleicht lieber auf Althergebrachtes zurück, um sich sichtbarer zu machen – also Kleidung, die reflektiert oder Reflektorstreifen.

Beitragsfoto: pixabay/AKrebs60