Stevie ist zum ersten Mal Bahn gefahren. Was hat er sich gefreut, mal nicht selber arbeiten zu müssen. Er konnte einfach in Ruhe die Aussicht genießen und gelang ohne Anstrengung von A nach B. So wie ich, wenn ich auf ihm sitze. Für mich war es allerdings alles andere als entspannt mit dem Pedelec im Zug zu reisen…

Die Idee war simpel: Stevie in den Zug schaffen, 30 Minuten Zug fahren, das Pedelec ausladen und losdüsen. Was in der Idee total einfach klang, war in der Umsetzung wirklich ärgerlich. Für mich steht fest: So schnell fahre ich mit ihm nicht mehr im Zug. Was ist passiert?

Mein Pedelec ist einfach zu schwer für mich

  1. Akt

Die erste Hürde war für mich, den Bahnsteig zu erreichen. Der Aufzug ist sehr klein, da passt mein Stevie leider nicht rein. Also musste ich ihn die Treppen hinauftragen. Knapp 40 Treppenstufen waren zu bewältigen. Mit einem normalen Rad vielleicht keine große Sache. Stevie aber wiegt über 20 Kg und ich bin weder besonders groß (1,64m), noch besonders stark (Weichei). Da stand ich also vor der Treppe und bin ein bisschen verzweifelt. Normal greife ich zum Sattelrohr und Lenker und hebe das Rad so an. Bei Stevie unmöglich. Durch den Akku auf dem Gepäckträger und dem Motor in der Mitte, ist viel zu viel Gewicht auf der Hinterachse. Mit einem Arm bekam ich den Sattel gar nicht hoch. Beide Hände am Sattelrohr führten auch zu einem mäßigen Erfolg, da Stevie vorne wild ausgebrochen ist und mit dem Vorderrad den Weg in die Freiheit gesucht hat.

Mein Pedelec ist wohl alles andere als handzahm… Neuer Versuch: Ich habe Stevie am Lenker gepackt, ihm gut zugesprochen und versucht so nach oben zu führen. Natürlich hat er hinten ganz schön blockiert – wer lässt sich gern am Kopf eine Treppe hinaufziehen? Nach der Mitte war auch schon Sense. Ich war total erschöpft und echt am Ende mit dem bockigen Rad. Zum Glück hat eine Passantin Mitleid mit dem Trauerspiel gehabt und gab Stevie etwas Starthilfe. Sie packte am Hinterrad zu, ich nahm den Lenker in beide Hände und so konnten wir den schweren Brocken die Treppe hinaufbefördern. Ich war ihr sehr dankbar!

Mit dem Pedelec in der Bahn fahren

 „Die mit dem Bike tanzt“

2. Akt

Der Weg in den Zug gestaltete sich als relativ simpel, da er auf gleicher Höhe war, wie die Bahnsteig. So konnte ich Stevie bequem in den Zug schieben. Allerdings kam ein neues Drama auf mich zu: Ein Fahrradparkplatz war belegt, auf dem anderen stand ein Kinderwagen. Der letzte war von anderen Fahrgästen besetzt. Es blieb mir nur eines übrig: In den Gang stellen und den Fahrgästen ausweichen, die Zu- und Aussteigen wollten. Bei jeder Bahnansage habe ich auf die Ausstiegsrichtung geachtet, um mich dann in Position zu bringen und möglichst wenige Mitfahrer zu behindern. Das wurde schwieriger, je voller der Gang wurde. Stevie nimmt aber auch echt viel Platz ein und macht sich breit! Bis zum Ende der Fahrt habe ich mit Stevie mehrere Runden im Gang zurückgelegt – sicherlich wurde ich schon heimlich „Die mit dem Bike tanzt“ genannt…

3. Akt

Am Bahnhof angekommen, musste ich das letzte Hindernis überwinden: Die Differenz zwischen Zug und Bahnsteig. Stevie sollte kopfüber nach unten geschoben werden. Ich hatte Angst, dass er in Panik verfallen und „ausbrechen“ könnte. Immerhin schiebt sein Hinterteil ja immer schön nach. Bewahrt wurde ich vor der Katastrophe aber von einem lieben Mitfahrer, der meine Misere sofort erkannt hatte und Stevie am Sattel gepackt hat. Ein Glück, dass der Fahrradflüsterer zur Stelle war und mir mit gekonnten Griffen auf den sicheren Boden helfen konnte. Uff. Als ich aus dem Bahnhof herauskam – dazu musste ich auch nur noch an einer Baugrube entlang balancieren, um Treppen zu umgehen – war ich mehr als glücklich.

Danke liebe Mitfahrer!

An dem Tag habe ich vieles gelernt: Ich bin ein echtes Weichei und muss dringend Krafttraining machen. Es gibt sie noch, die lieben Retter in der Not, die ungefragt eingreifen, wenn´s mal brenzlig wird. Danke euch! Und zu guter Letzt: Was bin ich froh, dass Stevie versichert ist. Wäre es bei einem der Manöver zu einem Schaden gekommen, wäre ich wenigstens nicht auf den Kosten sitzen geblieben… So war es mir allerdings lieber. Oder wie erkläre ich der Versicherung, dass das Rad einfach wieder bockig war und nicht spuren wollte?