Endlich können wir wieder große Fahrradausflüge mit unserer Tochter unternehmen. Dank meines Pedelecs kann ich sogar locker mit meinem Mann mithalten, wenn es mal wieder steil bergauf geht. Allerdings stellt sich die Frage: Welche Transportmöglichkeit habe ich mit meinem Stevie nun eigentlich? Ist ein Kindersitz erlaubt, beziehungsweise möglich? Kann ich auf einen Transportanhänger umsteigen oder muss mein Kind zu Hause bleiben?

Kleine Übersicht

  1. Rechtliches
  2. Fahrradsitze
  3. Kinderanhänger
  4. Tandemstange, Trailerbike und Co.
  5. Sicherer Transport von Kindern

Kinderanhänger sind bei E-Bikes verboten

Zunächst die Entwarnung: Natürlich dürfen Kinder auch auf Pedelecs und E-Bikes mitgenommen werden. Es gibt allerdings ein paar Feinheiten, auf die man achten muss. So darf man beispielsweise keine Kinderanhänger an E-Bikes beziehungsweise S-Pedelecs anbringen. Sie gelten schließlich bereits als Leichtkrafträder und haben mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45km/h viel Power unter dem Sattel. Ein Transport auf einem geeigneten Kindersitz (Kinder bis zu 7 Jahren) jedoch ist auf dem Pedelec, wie auch E-Bike kein Problem.

Auf einem Pedelec (mit Höchstgeschwindigkeit bis zu 25km/h) können Kinder wie gehabt transportiert werden: Auf dem Kindersitz (hinten oder vorne), im Kinderanhänger, die „Einrad-Lösung“ oder mit einer Tandemstange. Ganz ausgefallen ist natürlich auch ein Lastenrad mit speziellem Aufsatz für die Kids. Welche Vor- und Nachteile diese Möglichkeiten bieten, möchte ich im Folgenden gern vorstellen.

Der klassische Kindersitz

Auch wir haben mit dem Kindersitz angefangen. Er ist und bleibt ein Klassiker, ist relativ günstig und flexibel. Einziges Manko dabei ist in erster Linie, dass die Möglichkeiten Gepäck zu transportieren begrenzt sind. Wenn unser Kindersitz am Rad meines Mannes befestigt wird, hat er gar keine Möglichkeiten Gepäck zu transportieren, da er mit einem Rucksack auf dem Rücken das Kind erdrücken würde. Ziemlich unpraktisch. Da bleibt das Gepäck dann an mir hängen, da ich immerhin über einen Gepäckträger und damit auch die Möglichkeit für Satteltaschen verfüge.

Der Kindersitz eignet sich für alle Kinder, die schon eigenständig sitzen können. Im Durchschnitt also für Kinder ab 9 Monaten. Es gibt Vorder- und Hintersitze. Üblich sind die Hintersitze, die über hohe Rückenlehnen verfügen. So kann man sie in eine Schlaf- oder Sitzposition verstellen. Manche Modelle (beispielsweise unser Römer Jockey Comfort) wachsen sogar mit, das heißt die Rückenlehne lässt sich verstellen, sodass der Sitz voll bis zum Maximalgewicht ausgenutzt werden kann. Nachteilig ist, wie bereits erwähnt, das Transportieren von Gepäckstücken, es sei denn, man verfügt über einen Frontgepäckträger. Zudem ist das Rad dann recht hecklastig, was schon mit einem normalen Drahtesel echt anstrengend zu manövrieren sein kann. Tipp: Stellt euch niemals zum Radfahren auf die Pedale, wenn ein Kind mit an Bord ist. Bevor man sich für einen Hintersitz entscheidet, sollte man – wenn möglich – den Sitz zunächst probeweise montieren. Viele Pedelecs und E-Bikes sind nämlich für den Hintersitz ungeeignet. Gerade, wenn sie über einen Akku auf dem Gepäckträger verfügen, ist die Chance einen passenden Sitz zu finden eher klein. Auch, wenn der Gepäckträger schmal ist, kann es zu Problemen kommen. Abhilfe könnten hierbei Sitze schaffen, die am Rahmen montiert werden. Wenn die Vorrichtung für das Sattelrohr nicht passen sollte, bieten viele Anbieter zudem Adapter an, um die verschiedenen Modelle bestmöglichst abdecken zu können. Im Zweifelsfall sollte man sich vorab beim Händler informieren oder nur bestellen, wenn ein unkomplizierter Umtausch angeboten wird.

Jockey-Comfort-Screenshot

Screenshot: Britax Römer Produktseite Jockey Comfort (http://www.britax-roemer.de/fahrrad-kindersitze/jockey-comfort/)

Das Pendant hierzu ist der Fronsitz. Dabei sitzt das Kind quasi direkt vor den Eltern, sodass es freie Sicht auf den Verkehr hat. Vorteilhaft ist natürlich, dass es direkt mit dem Elternteil interagieren kann und nicht nur einen Rücken im Gesicht hat. Allerdings haben Fronsitze eine verkürzte Rückenlehne, sodass der Kopf nicht angelehnt werden kann. Besonders auf längeren Strecken kann das schnell unangenehm werden. Weiterhin ist das Kind bei einem Unfall nicht so gut geschützt, der ADFC empfiehlt daher die Verwendung von Hintersitzen. Zudem sind die Frontsitze ohnehin nur bis zu einem Gewicht von 15 Kilogramm (das entspricht etwa Kindern bis zu 3 Jahren) erlaubt. Hintersitze können bis zu 22 Kilogramm (Kinder bis ca. 5 Jahre) verwendet werden. Gute Kindersitze sind in der Regel mit knapp 100 Euro (in Rabatt-Aktionen auch darunter) doch recht erschwinglich.

Checkliste für optimale Kindersitze:

  • Hohe Kopfstütze (mit Schutz links/rechts)
  • Rückenlehne verstellbar (Liege- und Sitzposition, höhenverstellbar)
  • Fussbrett verstellbar (anpassend an die Fußlänge, Fixierschlaufen, damit die Füße nicht schlenkern)
  • Dreipunkt-Gurt (wie beim Autositz auf die Höhe der Gurte achten)
  • Adapter für verschiedene Sattelrohre vorhanden

Verschiedene Kinderanhänger für jede Lebenssituation

Familien mit mehreren Kindern profitieren von Kinderanhängern. Hierbei gibt es sehr viele verschiedene Modelle und Transportmöglichkeiten, die wir womöglich gar nicht alle abdecken können: geschlossen, offen, Einsitzer, Zweisitzer, Einrad- und Mehrrad-Systeme. Auch wir besitzen seit Neuestem einen Kinderfahrradanhänger, weil uns dieser komfortabler erscheint. Während mit Kindersitzen eher kurze Strecken bewältigt werden sollten, können Anhänger für ausgedehnte Ausflüge eingesetzt werden. Hierzu finde ich vor allem Systeme interessant, die das Kind zum Mitstrampeln einladen. Generell können Kinder bis 7 Jahre in einem Anhänger mitgenommen werden. Der Fahrer des Pedelecs muss dabei allerdings mindestens 16 Jahre alt sein, wenn er den Anhänger zieht. Wer über den Kauf eines Kinder-Fahrradanhängers nachdenkt, sollte sich zunächst bei seinem E-Bike Händler über die Zulassung informieren. Einige Hersteller geben leider keine Freigabe für das Ziehen des Anhängers heraus.

Geschlossene Systeme auf zwei Rädern

Ein großer Vorteil vieler Anhängersysteme ist sicherlich der Schutz vor Regen oder Wind. Man kann die Anhänger rundherum verschließen und bietet den Kids dann optimalen Schutz, wenn das Wetter mal nicht so mitmachen möchte. Zudem können auch schon ganz kleine Babys auf Tour gehen, da manche Anhänger (beispielsweise von Weber) über integrierte Babyschalen verfügen oder aber Vorrichtungen angebracht werden können, um die Babyschale zu transportieren. Bei diesen Sitzen wäre es aber sinnvoll zu prüfen, ob der Anhänger über eine ausreichende Federung verfügt, da die Fahrt ansonsten zu Lasten des Neugeborenen geht. Es bietet sich an, auf Prüfsiegel zu achten und Testergebnisse des ADAC und Co. zu recherchieren, ehe man sich für einen Kindersitz entscheidet.

Viele dieser Kinderanhänger – beispielsweise der Queridoo – können zu einem Buggy umgebaut werden. Ein großer Vorteil, wenn man beispielsweise in der City shoppen möchte. Mit nur wenigen Handgriffen wird so aus dem geschlossenen Kinderanhänger ein Kinderwagen. Wenn man davon profitieren möchte, sollte man vor dem Kauf darauf achten, ob der Hersteller ein entsprechendes Buggyset im Sortiment hat. Wer gern sportlich unterwegs ist, hat sogar die Möglichkeit einige Modelle zu einem Babyjogger umzuwandeln. Die Preisspanne dieser Anhänger ist allerdings im Vergleich zu Kindersitzen sehr hoch. So kommt man hier um dreistellige Beträge nicht herum. Manche Anhängermodelle schlagen sogar mit über 1.000 Euro zu Buche.

Queridoo-Produktheft-Auszug

Auszug: Queridoo-Produktheft 2015 (http://www.qeridoo.de/download/qeridoo-sport-prospekt-2015-web.pdf)

Kinderanhänger als Einrad-System

Eine wesentlich günstigere Variante sind daher Einrad-Kinderanhänger wie der Weehoo-Anhänger oder der Tout Terrain Singletrailer. Diese werden über eine Vorrichtung am Rad festmontiert. Den Weehoo gibt es als Einsitzer-, aber auch in der Zweisitzer-Variante. Die Kinder sitzen hierbei in einem einfachen, aber gepolsterten Sitz und werden mittels 3-Punkt Gurt angeschnallt. Sie bieten einen rundum Panoramablick, da sie nicht geschlossen sind. Offene Systeme eignen sich daher auch eher für Ausflüge bei schönem Wetter. Der besondere Clou an den Weehoo-Anhängern ist die Möglichkeit, die Kinder aktiv einzubeziehen. Das heißt, die Kinder können am Anhänger befestigte Pedale nutzen und so ihre Eltern beim Radeln unterstützen. Im Singletrailer sitzen die Kinder in einem geschlossenen Sitz und können so auch bei schlechter Witterung mitgenommen werden. Zudem verfügt er über eine sehr gute Federung, sodass auch unwegsameres Gelände (laut Hersteller) damit befahren werden kann. Diese Systeme kosten zwischen 400 und knapp 1.300 Euro.

Checkliste für Kinder-Fahrradanhänger:

  • Gurtsystem (3-Punkt-Gurt)
  • Extra-Rückleuchten
  • Reflektoren
  • Gute Federung (besonders bei Babys wichtig)
  • Stabiles Material (Rahmen)
  • Allgemeine Zulassung seitens des Bike-Herstellers
  • Ab 40 Kg gebremsten Anhänger verwenden

Rechtliches: Paragraph 21 Absatz 3 der Straßenverkehrsordnung (StVO)

„(3) Auf Fahrrädern dürfen nur Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden, wenn für die Kinder besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können. Hinter Fahrrädern dürfen in Anhängern, die zur Beförderung von Kindern eingerichtet sind, bis zu zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden. Die Begrenzung auf das vollendete siebte Lebensjahr gilt nicht für die Beförderung eines behinderten Kindes.“

Kindertransport auf dem Weehoo iGo Turbo

 

Lastenräder, Tandemstange und Co.

Besonders in den kinderfreundlichen Niederlanden gehört das Lastenrad bereits zum Alltag. Allmählich schleicht es sich aber auch in die deutschen Garagen ein. Nicht nur für Unternehmen sind Lastenräder interessant, durch spezielle Konstruktionen können auch Kinder damit transportiert werden. Dies ist unserer Meinung nach sogar die sicherste Möglichkeit seine Sprösslinge zu transportieren, da man sie stets im Blick hat.

Hersteller wie Maxi Cosi (via Babboe Lastenrad) bieten Möglichkeiten an, um bereits Babys ab zwei Monaten sicher in der Transportbox chauffieren zu können. Auf dem Lastenrad können bis zu vier Kinder transportiert werden. Gesichert werden sie mit einem Dreipunktgurt. Morgens auf dem Weg zur Arbeit beobachte ich häufig Eltern, die ihre Kinder damit zum Kindergarten bringen. Ein Lastenrad mit elektrischer Unterstützung ist allerdings recht kostspielig, weswegen dieses keine Option für uns war. Schade eigentlich, besonders bei der fortgeschrittenen Familienplanung, lohnt sich diese Investition sicherlich.

Die praktische Tandemstange

Für eine Tandemstange sollte das Kind schon älter sein: Es handelt sich hierbei um eine Stange, die das Elternrad und das Kinderrad miteinander verbindet. Ähnlich funktioniert das „Trailerbike“ (Nachziehrad), ein Kinderfahrrad ohne Vorderrad, welches mit dem Elternrad verbunden wird. Dieses hat allerdings große Ähnlichkeit zu unserem Weehoo-Anhänger. Es fehlt lediglich ein Lenker.

Die Eltern ziehen ihre Kinder einfach hinter sich her, die Kinder können mitstrampeln. Wer eine Tandemstange anbringen möchte, sollte ein Schutzblech am Hinterrad befestigen, damit das Kind nicht von oben bis unten nass gespritzt wird. Eine Tandemstange eignet sich für eigentlich jedes Rad, da sie am Steuerrohr des Kinderrads und dem Sattelrohr des Elternrades befestigt wird. Bei einem Trailerbike ist die Stange dagegen fest mit dem Kinderrad verbunden.

Checkliste für Trailerbikes:

  • Ist das Ziehen von Trailerbikes mit dem vorhandenen Rad zulässig?
  • Feste Montage am Zugrad
  • Stabiler Stand der Konstruktion
  • Lenker und Stange des Nachziehrads sollten „mitwachsen“ können
  • Rücklicht und Reflektoren
  • Gangschaltung für eine bessere Übersetzung des Trailerrades vorteilhaft
  • Tiefgezogenes Schutzblech am Zugrad

Sicherheitshinweise für die Fahrt mit Kindern

Allgemein gilt: Vor dem ersten Fahrtantritt mit Kindersitz, Anhänger und Co. solltet ihr zunächst das neue Fahrverhalten eures Bikes austesten. Sehr wichtig dabei ist die zuverlässige Bremskraft des Pedelecs oder E-Bikes. Hydraulische Felgenbremsen und Scheibenbremsen sorgen für die notwendige Sicherheit. Und nicht vergessen: Je höher die Anhängerlast, desto länger wird euer Bremsweg, das solltet ihr nicht unterschätzen. Ebenso muss berücksichtigt werden, dass sich die Akkuleistung durch die zusätzliche Last verringern kann. Also kalkuliert lieber eine kürzere Tour oder einen Zwischenstopp zum Aufladen mit ein.

Grundsätzlich sollten die Kinder, sei es im Anhänger oder auf dem Sitz, angeschnallt werden und einen Helm aufsetzen. Es besteht allerdings keine rechtliche Helmpflicht für die Kinder. Wer auch in der Dämmerung und nachts unterwegs ist, sollte darauf achten, dass weder Reflektoren noch Lichter von dem Transportsystem verdeckt werden. Zur Not müssen zusätzliche Lichter angebracht werden. Es lohnt sich immer ein Blick in Blogs oder auch auf ADAC-Tests, um einer Kaufentscheidung mehr Substanz zu verleihen. Letztlich haben wir aber auch nach Gefühl und anhand der Bedürfnisse unserer Maus entschieden.

Anmerkung: Da der Markt so viele Möglichkeiten bietet, ist die Liste sicherlich (noch) nicht vollständig.  Wenn ihr ein tolles System kennt, welches unbedingt aufgenommen werden sollte, schreibt uns einfach eine Mail an redaktion@ebike-on-tour.de oder hinterlasst einen kurzen Kommentar. Wir freuen uns immer über zusätzlichen Input.