Heute freue ich mich über einen ganz besonderen Gast auf dem Blog: Der lebensfrohe Denis Katzer hat eingewilligt, mir einige Fragen zu beantworten – und das trotz grober Startschwierigkeiten. Der Radler ist in der Biker-Szene sehr bekannt, da er „gefühlt schon sein ganzes Leben lang die Welt bereist“. Dabei hat er stets ein Ziel im Auge: Die Welt retten. Was jetzt erstmal nach einem Höhenflug klingt, ist aber gar nicht so weit hergeholt. Im Gegenteil. Nach dem Motto steter Tropfen höhlt den Stein hat er sich zusammen mit seiner Frau Tanja auf die Fahne geschrieben, als Botschafter von Mutter Natur unterwegs zu sein.

Denis wollte mehr als pure Reiselust

Was aus purer Abenteuerlust entstanden ist, hat sich zu einem Lebensauftrag entwickelt: Auf seinen Reisen hat er auch bei den südamerikanischen Ureinwohnern im Urwald gelebt. Sie wurden durch die voranschreitende Industrialisierung gefährdet, die den natürlichen Lebensraum und das Trinkwasser – unter anderem durch leckende Öltanks – verseucht hatte. Er wollte dem Missstand nicht tatenlos zusehen und den Indianern ein Sprachrohr geben. Das war die Geburtsstunde seines persönlichen Lebenswerkes: Er wollte die Welt einfach ein klein bisschen besser machen und auf die Probleme hinweisen. Dazu gab er Interviews, schrieb Artikel und drehte Filme: Er verabschiedete sich von seinem „egoistischen“ Drang nur die Reiselust zu befriedigen und stellte seine Erfahrungen für die Menschheit in den Fokus.

„Dann dachte ich, dass mir das nicht mehr genug ist, ich wollte unbedingt mehr tun und was zurückgeben. Ich dachte, dass alles im Ausgleich sein sollte. Das Geben und das Nehmen. Wenn man nur nimmt, nur konsumiert, dann ist es nicht ausgewogen, Dann gibt es keinen Ausgleich auf unserer Lebensplattform Erde.“

Ein Guckrohr in die große, weite Welt

Durch seinen Blog und die öffentlichen Interviews zeigt er zudem den Menschen, die nicht in der Lage sind sich so frei zu bewegen, wie es um die Erde bestellt ist. Er bietet eine Art „Guckrohr“, für all diejenigen, die ihre Ketten nicht loslösen können. Denn erst „wenn man so lange mit offenen Augen reist, sieht man die Bedrohung dieses Planeten“.

Ein wirklich großes Ziel und eine fantastische Einstellung. Umso schöner, dass er mit Tanja einen Menschen gefunden hat, der sich für diesen Lebensstil einsetzt und ihn unterstützt. Nichts ist schöner, als die Erlebnisse und Eindrücke einer Reiser mit einem geliebten Menschen teilen zu können. Während ihrer Reise und Expeditionen versuchen sie daher jedem Land mit offenem Herzen zu begegnen. Sie stellen keinerlei Erwartungen und ziehen keine Vergleiche. Zumindest nicht absichtlich.

Im Interview sprach Denis Katzer von der Mongolei mit ihrer klaren Luft, der großartigen Landschaft und den menschenleeren Regionen. Das war beeindruckend für ihn, umso besorgter zeigt er sich über den Zustand in China: Die Menschen benötigen Masken, da die Luft sehr verschmutzt ist. Hier sei die Umwelt bereits kaputt gemacht worden…

 

Back to the roots – das Leben vor dem E-Bike

Denis und Tanja Katzer waren nicht immer auf dem Radsattel unterwegs, sondern bereisten viele Länder mit Kamelen, Pferden und sogar Elefanten. Erst ein Interview mit zwei australischen Radfahrern, die bis Russland und China gefahren sind, hat den Anstoß gegeben. Das war im Jahr 2003, zwei Jahre später war es beschlossene Sache: Denis und Tanja haben nach Sponsoren gesucht, um mit dem Fahrrad von Deutschland in die Mongolei zu fahren. Sie haben dabei über 20.000 Kilometer zurückgelegt. In der Mongolei wollten sie dann ihre Expedition starten, um als erste Europäer mit den letzten Rentiernomaden einen arktischen Winter bei Minus 50 Grad zu verbringen. Was recht ambitioniert klang – Europäer sind diese Temperaturen nicht gewöhnt – haben sie mit Bravour gemeistert.

„Wir wollten ein Teil der Nomadenkultur werden, unter gleichen Bedingungen mit ihnen leben, ihre vom Aussterben bedrohte Kultur dokumentieren. Auch wollten wir wissen, ob ein Europäer solche extremen Temperaturen überlebt […] Liegt es an den Genen oder ist es eine Kopfsache?  Und ich weiß jetzt, es ist eine Kopfsache. Man kann es schaffen, nahezu alles, was man sich vorstellt, alles was man tun will!““

Das Fahrrad haben sie zunächst als ökologische Reisevariante genutzt, um von einer Expedition zur anderen zu kommen. Erst später wurde ihnen klar, dass der Drahtesel auch für Expeditionen selbst das ideale Gefährt sei, denn „dabei haben wir festgestellt, dass ein Fahrrad eine geile Sache ist. Man kann auch mit dem Rad langsam reisen und die Tiefe des Landes ergründen.

Und plötzlich musste es ein E-Bike sein

Nachdem Denis jahrelang mit dem Fahrrad unterwegs war, hat es ihn „im Solarplexusbereich getroffen“, wie er so schön sagt. Er kam, sah und wollte ein E-Bike. Anders kann man es wohl nicht beschreiben, denn E-Bikes waren zu dem Zeitpunkt noch total neu und haben ihm sofort imponiert. Geplant war mit dem E-Bike von der Mongolei aus nach Myanmar zu reisen, dafür haben sie sich die Firma Riese und Müller ins Boot geholt. Die Vorteile eines E-Bikes sind laut Denis ganz klar:

„Das E-Bike erweitert für uns die Grenzen. Verschiebt die Limits nach oben. Mit einem normalen Fahrrad wäre es völlig unmöglich 120 Kilogramm Ausrüstung* über zahllose Hochgebirge und durch Wüsten zu transportieren […]. Wir erweitern unsere Grenzen enorm und sind trotzdem ökologisch unterwegs.

Denis Katzer und sein Hund Ajaci durchqueren die Wüste Gobi.

Copyright: Tanja & Denis Katzer GbR | denis-katzer.de

*Professionelle Kameraausrüstung, Laptop, Ersatzteile, Camping Equipment, Kleidung für alle Jahreszeiten und unseren großen Hund.

Veränderung fängt immer klein an

Dieser ökologische Grundgedanke soll auch an so viele Menschen wie möglich weitergetragen werden. Auch, wenn Denis Katzer laut eigener Aussage nur kleine Schritte geht, bewirken sie doch Großes. Beispielsweise wurden bereits 30.000 Euro zusammengetragen – auch mithilfe ihrer Fans – um das Baumpflanzprojekt „Grüne Ader“ zu fördern. Mit jedem Menschen, den sie berühren, können sie einen Domino-Effekt bewirken, denn auch dieser Mensch kann von ihrer Idee berichten und Andere dafür faszinieren.

„Es kommt auch nicht wirklich auf die große Veränderung an. Wir wollen zusammen mit der Allgemeinheit daran arbeiten, dass unsere Erde morgen noch bewohnbar ist. […] Wir glauben, dass die Menschheit eine Chance hat zu überleben. Das unsere Kinder morgen noch frische Luft atmen können und Bäume sehen. Das ist der Grundstein unserer Reisen.“

Durch das viele Reisen kommen die Katzers aber leider gar nicht dazu, Gleichgesinnte zu finden. Außer Susanne Brüsch kennen sie keine weiteren E-Biker, dabei würden sie sich mit dem Pärchen Rachel und Gary Corbett sicherlich bestens verstehen.

Ihr möchtet Denis und Tanja Katzer gern unterstützen?

Natürlich arbeiten auch Denis und Tanja mit Sponsoren zusammen. Anders wäre diese lebenslange Reise wohl kaum finanzierbar. Dabei sehen sie Sponsoring als „Geben und Nehmen“. Es gibt Sponsoren, mit denen sie bereits seit über 20 Jahren zusammenarbeiten – daraus haben sich sogar freundschaftliche Beziehungen entwickelt. Denis´ Tipp, um gute Sponsoren zu finden:

„Man braucht ein Konzept, eine Reise, eine gute Idee, die man der Fima anbieten kann […]. Dann muss man der Firma dementsprechende Leistung bringen: Man muss fotografieren können, man muss schreiben können, sich selbst verkaufen können. Das gehört alles zusammen, um eine gute Synergie zu finden.“

Mittlerweile kommen die Sponsoren häufig auf die Katzers zu, immerhin haben sie sich in der Branche bereits einen Namen gemacht. Allerdings wählen sie ihre Kooperationspartner sorgsam aus. Während Denis mir erklärt, dass Leistung nur mit guter Nahrung machbar ist, wirft seine Frau Tanja ein, dass sie die „Menschen berühren möchte, den Bio-Gedanken zu leben“. Das passt einfach durch und durch zur Lebensphilosophie der Katzers. Ich wünsche dem Paar von Herzen Glück bei ihrer Mission und finde es wundervoll, dass sie so viel Zuversicht und Hoffnung in ihre Reise stecken.

Wer noch mehr über Denis und Tanja Katzer erfahren möchte, kann sie natürlich auch auf Facebook, Twitter, Instagram oder Youtube finden. Aktuell sind sie in Vietnam unterwegs, im Live-Onlinetagebuch könnt ihr ihre Reise auch auf Schritt und Tritt verfolgen. Kleiner Tipp: Denis Katzer hat seine Impressionen nicht nur online, sondern auch in Büchern wie „Die große Reise“, „Wilde Freiheit“ oder „Kraft und Zauber der Taiga“ gesammelt.