Ende des Jahres 2017 will BMW Motorrad den E-Tretroller „Motorrad X2City“ bringen. Warum uns das kümmert? Es handelt sich um ein Pedelec – obwohl BMW ihn als „Kick Scooter“ bezeichnet und er den Zusatz „Motorrad“ im Namen führt. Verwirrspiel oder kluge Taktik? 

Der elektrische Zusatzantrieb versteckt sich im Hinterrad, ein bürstenloser Nabenmotor. Der Lithium-Ionen-Akku (408 Wh) befindet sich unter dem Trittbrett. Er ist entnehmbar in einem regen- und spritzwassergeschützten Gehäuse untergebracht. Seine Reichweite liegt bei 25 bis 35 Kilometern. Vollständig entleert, lässt der Akku sich innerhalb von 2,5 Stunden wieder aufladen.

Warum ist ein E-Tretroller ein Pedelec?

Schön und gut, aber ein E-Tretroller, der als Pedelec eingestuft wurde? Schließlich bedeutet Pedelec „PEDAL Electric Cycle“. „Der X2City funktioniert, wie ein Elektro-Fahrrad auch, auf dem Prinzip der Tretunterstützung“, hat uns BMW Motorrad-Sprecher Gerhard Lindner erklärt. Ausschlaggebend für die Einstufung sei das kleine Pedal auf dem Trittbrett. „Die elektrische Unterstützung funktioniert nur dann, und auch nur so lange, wie dieses ‚Pedal‘ auf und ab bewegt wird.“ Der X2City benötigte dazu eine Mindestgeschwindigkeit von ca. 6 km/h. Die muss der Fahrer laut Lindner durch das Abstoßen mit dem Fuß selbst erreichen. Somit werde verhindert, dass der Roller aus dem Stand unbeabsichtigt beschleunigt. Damit erfüllt der X2City laut Hersteller die Kriterien für die Einstufung als Pedelec. Ist der Antrieb zugeschaltet, lassen sich über die Bedieneinheit am Lenker fünf Geschwindigkeitsstufen wählen.

Ausschlaggebend für die Einstufung als Pedelec: Das Pedal auf dem Trittbrett des X2City. Foto: BMW Group

Ausschlaggebend für die Einstufung als Pedelec: Das Pedal auf dem Trittbrett des X2City. Foto: BMW Group

Jagd auf neue Zielgruppen

Als „Pedelec25“ eingestuft, ist der X2City gemäß Straßenverkehrsgesetz (§1, Abs. 3) dem Fahrrad rechtlich gleichgestellt. Das heißt, Personen ab 14 Jahren dürfen den E-Tretroller ohne Helmpflicht und Motorradführerschein  fahren – überall dort, wo auch das Radfahren erlaubt ist. Hier liegt auch schon der Grund für die Namenskonfusion: BMW Motorrad möchte sich neue Zielgruppen auf dem E-Fahrradmarkt erschließen. Vor dem Hintergrund, dass dieser Bereich aktuell die Umsätze der Branche trägt, kein Wunder. Dazu arbeitet BMW Motorrad nach eigenen Angaben mit der ZEG (Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft) zusammen. Der X2City wird also nicht über die BMW Motorrad Handelsorganisation, „sondern in ausgewählten Fahrradfachgeschäften sowie dem Onlineshop der  Fa. KETTLER Alu-Rad GmbH vertrieben“. Auch Service und Gewährleistungsabwicklung wickele der Fahrradfachhandel ab.

Mobil im urbanen Raum

Vor allem Menschen im urbanen Raum will BMW Motorrad mit dem E-Tretroller ansprechen. Er sei kompakter als gängige Klappräder und mit seinen 20 Kilogramm noch recht leicht. Zudem sei der Lenker klappbar. Dadurch lasse er sich einfach im Kofferraum oder in öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren. Unabhängig von Bus, Bahn, Auto und Parkplatzsuche soll er machen, so die Idee des Herstellers. Komfortabel soll das Produkt auch noch sein: Das Trittbrett erscheint breit und robust – gut für einen sicheren und bequemen Stand. Die breiten Reifen lassen den X2City wohl auch mit ein wenig Schotter auf Parkwegen oder an Baustellen klar kommen. Der Lenker ist je nach Körpergröße des Fahrers verstellbar.

Ob es gelingt, sich den E-Rad-Sektor zu erschließen, wird sich zeigen. Wie viel der X2City genau kosten wird, ist noch nicht offiziell. Laut BMW Motorrad soll der Preis unter 2.500 Euro liegen.