Der Traum: Ferne Idyllen entdecken, fremde Städte bereisen, neue Kulturen kennen lernen. Das alles und noch viel mehr auf dem eigenen E-Bike! Wer nicht nur die eigene Heimat mit dem Pedelec erobern möchte, sondern weit hinaus will, ist oft auf Bus, Bahn oder das Flugzeug angewiesen. Das geht meist schneller als mit dem Auto. Aber leider liegen auch die Hürden höher. Heute erklären wir, worauf ihr achten solltet, wenn ihr mit dem E-Bike öffentliche Verkehrsmittel nutzen möchtet. Außerdem gibt’s ein paar Tipps, wie ihr euch am fremden Zielort möglichst schnell orientieren könnt.

Vor langer Zeit habe ich berichtet, wie es mir mit dem Pedelec in der Bahn erging. Das Drama in drei Akten hat so manchen Biker belustigt. Es zeigt aber ein großes Problem: Mit dem E-Bike Bahn fahren kann eine echte Herausforderung sein. Pendler nutzen oft Klappräder und geraten nicht so schnell an die Grenzen. Allerdings sieht es mit schweren und unhandlichen Pedelecs oft anders aus.

Auf diesen Zug spring‘ ich auf

Nicht immer stehen im Fahrradabteil die notwendigen Plätze zur Verfügung. Nicht jeder Bahnhof verfügt über barrierefreie Gleise. Das muss bei einer Reise mit dem Bike vorab recherchiert werden, ansonsten ist Schleppen angesagt. Wer aber eine größere Tour mit dem Bike unternimmt, hat oft etliches Gepäck inklusive Zubehör für die mobile Werkstatt dabei. Das erschwert den Balance-Akt auf der Treppe ungemein.

Wer innerhalb Europas verreist, kann sein Bike in Nachtzügen wie EuroNight oder der Nightjet unterbringen. Eine Platzreservierung ist dabei zwingend erforderlich. Generell sollte man sich vorab immer mit den Bahnanbietern auseinandersetzen, da unterschiedliche Richtlinien zur Fahrradmitnahme gelten können.

Tipps zum Bahn fahren

  • Leichtes Gepäck
  • Barrierefreie Gleise vorab recherchieren
  • Fahrradplatzreservierung nicht vergessen
  • Pedelecs unterliegen den Fahrradmitnahme-Regelungen
  • E-Bikes (im engeren Sinn) und S-Pedelecs sind vom Transport ausgeschlossen!
  • Der Akku muss am Rad montiert sein oder in einer bauart-geprüften Verpackung mitgenommen werden

Über den Wolken ist die Freiheit begrenzt

Wer andere Kontinente entdecken will und dabei auf sein eigenes E-Bike nicht verzichten möchte, steht leider vor einer großen Hürde: E-Bikes und Pedelecs sind im Passagierflugzeug generell nicht gestattet. Zu groß ist die Angst, dass die Lithium-Ionen-Akkus für einen Schaden sorgen. Da die Akkus als Gefahrengut gelten, könnten sie nur via Frachttransport verschickt werden.

Doch auch hier stellen sich viele Anbieter quer. Einige würden nicht einmal den Rahmen ohne Akku transportieren. Im Interview-Gespräch mit Susanne Brüsch habe ich vor einiger Zeit erfahren, dass sie unglaublich viel Aufwand damit hatte, ihre E-Bikes transportieren zu lassen. Das hat sich nur durch Sponsoring gelohnt. Daher würde ich auf mein eigenes Pedelec im Urlaub verzichten und einfach vor Ort ein Rad ausleihen. Das ist weit günstiger und nicht so stressig.

Tipps zum Fliegen

  • Aufwändige Recherche notwendig
  • Akkus müssten als Gefahrengut (kostspielig) verschickt werden
  • Viele Airlines transportieren nicht einmal den Rahmen
  • Günstiger und stressfreier: E-Bike vor Ort leihen

Die Räder vom Bus gehen rundherum

Meine Schwester ist Studentin und hat daher immer einen günstigen Weg gesucht, um uns in Bonn zu besuchen. Sie blieb bei Fernbussen hängen. Von Frankfurt nach Bonn gibt es eine direkte Verbindung. Die Fahrt ist günstig und relativ schnell. Das System wird daher von immer mehr Reisenden in Anspruch genommen.

Doch  leider stoßen hier Pedelecfahrer schnell an gewisse Grenzen: Flixbus beispielsweise schließt die Beförderung von E-Bikes und Pedelecs generell aus:

„Die Fahrräder müssen Standardgrößen ohne Aufbauten aufweisen und dürfen ein Gewicht von 25kg nicht überschreiten – E-Bikes, Pedelecs, Tandems oder Fahrräder mit drei Rädern sind von der Beförderung ausgeschlossen.“ (lt. Flixbus)

Man sollte also vorab das Fernbusreiseunternehmen kontaktieren und sich informieren, unter welchen Umständen das Rad mitgenommen werden kann. Meist gilt eine maximale Anzahl an Fahrrädern. Ein Pedelec kann unter Sperrgut fallen oder generell ausgeschlossen sein. Außerdem sollte klar sein, dass die Mitnahme des Pedelecs immer extra kostet.

Tipps zum Bus fahren

  • Manche Anbieter schließen Pedelecs generell aus
  • Die Mitnahme ist mit zusätzlichen Kosten verbunden
  • Bei Ticketkauf muss eine Reservierung für das Rad vorgenommen werden
  • Tickets möglichst frühzeitig buchen

E-Bike Mitnahme erfolgreich – Wie geht es weiter?

Je nach individueller Situation, Budget und Stressresistenz ist man nun am Urlaubsort angekommen. Mit eigenen oder fremden Pedelec gilt es nun die neuen Gefilde zu erkunden. Dabei stellt sich oft die Frage: Nutze ich die klassische Karte aus Papier oder vertraue ich auf Technik? Auf Nummer sicher geht man, wenn beides verfügbar ist.

Nutze ich ein Navigationsgerät oder Smartphone mit Navi-App, könnte der Akku unerwarteterweise schlapp machen, oder das Gerät geht zu Bruch. Es schadet nie, eine Straßenkarte mitzuführen. Doch welche Navigations-App taugt eigentlich etwas? Wir stellen euch kurz gängige Möglichkeiten vor:

Screenshot der komoot App

Copyright: komoot.com

Gängige Apps für große Touren

  • All in One: bergfex Touren & GPS Tracking

Die App (iTunes/Google Play) kann Touren planen, aufzeichnen und offline genutzt werden. Außerdem kann bergfex auch als Aktivitäts- und Fitnesstracker genutzt werden. Einige Biker nutzen bergfex vor allem gern zur Vorab-Recherche. Besonders gut soll der geringe Akku-Verbrauch sein.

  • Gut geplant ist halb gefahren: Komoot

Diese Navigations-App wird besonders gern zum Planen von bevorstehenden Touren herangezogen. Das Tool schlägt auch Touren vor und kann ebenfalls offline genutzt werden, wenn die Karten vorab heruntergeladen werden. Aber Obacht: Das Tool soll ein kleiner Stromfresser sein. Habt immer eine Powerbank parat.

  • Mehr Fun(ktion) mit Locus Map

Die App Locus Map hält verschiedene Landkarten aus aller Welt bereit. Neben den üblichen Wander- und Bikerkarten gibt es auch nautische Karten und Stadtpläne. Damit ihr auch immer genau wisst, wo ihr gerade seid, hilft euch GPS. Somit ist kein weiterer GPS Empfänger notwendig.

Eine schöne Spielerei: In der Track Aufzeichnung können Routen mit eigenen Fotos, Videos, Audios und Lieblingsplätzen ausgestattet werden.

Absicherung für unterwegs

Die Entscheidung steht, die Tour ist geplant, aber ist damit schon an alles gedacht? Was passiert im Falle eines Defekts oder, falls das Pedelec gestohlen wird? Besonders für Vielreisende, die große Radtouren außerhalb der nahen Heimat machen, ist ein Schutz sehr wichtig. In Kürze werden wir daher einen umfassenden Bericht über Schutzbriefe veröffentlichen und verdeutlichen, warum sie wichtig sind und wem sie helfen können.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit der E-Bike Mitnahme per Bus oder Bahn machen können? Erzählt uns gern eure Geschichte!

 

Artikelfoto: Pixabay/stux