Ein E-Bike für Kinder? Warum nicht. Aktuell suchen wir eine Möglichkeit, die ganze Familie aufs Rad zu bekommen. Schon längere Zeit habe ich mich nicht mehr auf einen Pedelec-Sattel gewagt. Mit der Schwangerschaft hatte ich entschieden, lieber abzusteigen, da ich unter Gleichgewichtsstörungen litt. Eine typische Schwangerschaftsbegleiterscheinung. Auch nachdem unsere süße Tochter auf der Welt war, fiel das Biken zunächst flach: Wir hatten bisher nicht die passende Beförderungsmöglichkeit.

In den kalten Wintermonaten setze ich mich ohnehin nicht gern auf das Rad – da muss ich ehrlich sein. Doch der Sommer rückt in greifbare Nähe und wir machen uns Gedanken, wie wir nun als Familie aufsatteln können.

Der klassische Fahrradsitz

Bei unserer ersten Tochter hatten wir gewartet, bis sie alt genug war, um im Fahrradsitz mitzufahren. Das ist der Klassiker unter den Transportmöglichkeiten für Kinder. Ein Fahrradsitz kann hinter dem Fahrer (auf dem Gepäckträger) oder am Lenker befestigt werden. Das sollte man je Fahrradmodell und Sitz individuell entscheiden. Und anhand der persönlichen Fahrskills. Da ich recht schusselig bin, wäre ein Sitz am Lenker undenkbar für mich. Vor meinem geistigen Auge sehe ich da schon das Kind samt Fahrrad umfallen.

Mit steigendem Alter – und Gewicht – empfand ich den Fahrradsitz als störend. Auch hier hatte ich Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht und musste gut aufpassen, dass das Rad nicht mitsamt Kind umstürzt. Wir haben uns für einen Fahrradanhänger mit Rundumblick (den Weehoo) entschieden. Durch die Pedale kann unsere Tochter sogar entscheiden, ob sie mitradeln und mich damit unterstützen möchte. Andere Fahrradanhängermodelle (beispielsweise Thule oder Croozer) sind überdacht oder zumindest seitlich geschlossen. So werden alle Anforderungen abgedeckt. Es gibt sogar Anhänger, in die eine Babyschale befestigt werden kann. So können auch schon die Jüngsten an Ausflügen teilhaben.

Vielleicht doch ein Allrounder-Lastenrad?

Nach so einem Anhänger suchen wir aktuell. Wir möchten natürlich wieder auf die Straße, sobald es wärmer wird und mit den Mädels entspannte Touren durch Bonn und Umland fahren. Wir liebäugeln ebenfalls mit einem Lastenrad, denn auch hier gibt es Modelle, mit denen eine Babyschale sicher transportiert werden kann. Hinzu kommt, dass ich so auf das Auto verzichten und per Rad einkaufen fahren könnte. Das klingt nach einer Win-Win-Situation für die Umwelt, den Geldbeutel und meine Kondition – wäre da nicht ein kleines Problem:

Diese Investitionen sind ziemlich groß, weswegen wir uns da noch nicht so Recht festlegen können. Vielleicht ein gebrauchtes E-Bike kaufen? Für das Alter unserer Großen käme auch ein Trailerrad in Frage. Allerdings sind mir diese Räder ein wenig suspekt, muss ich gestehen. Ein komplexes Thema, bei dem Pro und Contra gut abgewägt werden sollten. Die Vor- und Nachteile dieser eher klassischen Möglichkeiten habe ich übrigens bereits im Beitrag über den Kindertransport auf dem E-Bike (gemeint ist das E-Bike im weitesten Sinne) vorgestellt – falls ihr nochmal nachlesen möchtet.

E-Bikes für Kinder erobern den Markt

Was einigen E-Bikern nicht geläufig ist, ist die Tatsache, dass es spezielle Pedelecs für Kinder auf dem Markt gibt. Diese unterstützen den Fahrer meist bis 20km/h (herkömmliche Pedelecs unterstützen bis 25 km/h). Außerdem sind sie besonders leicht (etwa 10 Kilogramm), damit die jungen Radfahrer nicht mit dem Handling überfordert sind.

Rein rechtlich gesehen sind Pedelecs zudem wie normale Fahrräder zu betrachten. Es gibt also keine Sondervorschriften für junge E-Biker. Allerdings sehen viele Radler – auch unter den E-Bikern – Probleme mit zu jungen Fahrern.

Lohnt sich ein E-Bike für Kinder?

Zunächst ist ein Kinder-Pedelec natürlich eine Kostenfrage. Denn sie liegen preislich auf dem Niveau von normalen Pedelecs. Jeder, der Kinder hat, wird aber sicher bestätigen können, dass sie spontane Wachstumssprünge machen und damit die Halbwertszeit eines Fahrrades von relativ kurzer Dauer sein kann. Da lohnt sich ein E-Bike für den Nachwuchs einfach nicht. Ähnlich wie bei Senioren bestünde da laut einigen Radlern zudem die Gefahr, dass Kinder die Räder unterschätzen und sich bei Unfällen verletzen könnten. Da ich (noch) keine eigenen Erfahrungswerte mit einem E-Bike für Kinder besitze, habe ich mich in der Facebook-Community in mehreren Gruppen umgehört. Radler Thomas gibt da allerdings zu bedenken, dass sich die Gefahren nicht großartig zum normalen Radeln unterscheiden:

Die unsachgemäße Handhabung macht aus vielen Alltagsgegenständen gefährliche Objekte. Ob ein Kind ein Pedelec sicher bewegen kann, kommt auf die individuelle Person an. Kinder die mit acht Jahren Rennkart oder Motocross fahren, sind mit einem Pedelec an sich, sicher nicht überfordert. Die Gefahren im Straßenverkehr betreffen Fahrradfahrer und Pedelecfahrer gleichermaßen.“

Streitfrage: Altersgemäße Nutzung

Des Weiteren steht die Frage im Raum, ab welchem konkreten Alter ein E-Bike wirklich Sinn machen würde. Der Tenor der E-Bike-Community ist da gemischt: Manche Radfahrer würden kein Kind vor 12 Jahren auf ein Pedelec setzen, andere würden ein Fahren ab frühstens 15 Jahren begrüßen. Pedelec-Fan Heinz geht da sogar noch einen Schritt weiter und meint:

„Ich bin der Meinung Kinder sollten kein E-Bike fahren, [sondern] normales Rad, damit sie auch etwas Kondition bekommen. Bei uns vorm Haus sind 10 und 13 Prozent Steigung und die meisten [Kinder] so ab 10 schaffen das auch ohne Motor.“

Allerdings sieht Biker Roy gerade hier eine große Herausforderung. Er lebt in einer sehr bergigen Region und muss täglich mehrere Höhenmeter überwinden. Auch für seine Kinder ist das anstrengend. Ein heiterer Familienausflug könnte da schnell in Überanstrengung enden. Daher sieht er in Pedelecs für Kinder eine gute Lösung:

„Ich pendle inzwischen über 5.000 Kilometer pro Jahr mit dem Rad zur Arbeit. Jeden Tag 30 Kilometer und 600 Höhenmeter. Mit Pedelec und ohne Sauerstoffzelt!
Ich kenne die ganzen Einwände, ein Pedelec ist nichts für Kinder… Im Flachland hätten wir wohl nie welche gekauft. Aber so ist es für uns die ideale Lösung.“

Familienausflug auf dem E-Bike.
Bild: Roy Maihöfer

Brauchen Kinder ein Pedelec?

Auch andere E-Biker sehen es wie Heinz und sehen keinen Sinn in einem Kinder-E-Bike. Sie seien noch jung, müssen ihre Muskelkraft aufbauen und benötigen ein Pedelec gar nicht, sofern sie körperlich nicht beeinträchtigt seien. Bloggerin Janet sieht das allerdings ganz anders:

Dass Kinder ein E-Bike „nicht brauchen“ impliziert, dass nur Menschen E-Bikes fahren, die eins brauchen (also die gebrechlich, unsportlich oder alt sind)! Ich brauche keines, fahre MTB, Rennrad und trotzdem auch E-MTB, weil es einfach Spaß macht und ein super geiles Trainingsgerät ist. Und Spaß machen wird es den Kindern sicher auch! Im Übrigen fährt mein 4 jähriger Sohn sicherer wie manch ein Erwachsener von daher denke ich nicht, dass es ein Sicherheitsproblem ist!

Ein Pedelec für einen Fünfjährigen

Ob und ab wann ein E-Bike für Kinder gekauft wird, sollte man ohnehin eher individuell entscheiden. Kinder werden nicht nach Schema F groß und alle durchlaufen unterschiedliche kognitive, wie auch körperliche Entwicklungen. So erzählt E-Bike Profi Marc beispielsweise offen, dass er überlegt seinem 5-Jährigen ein Pedelec zu kaufen:

„Mein Sohn ist jetzt fünf Jahre alt und ich überlege, ihm ein Pedelec zu kaufen. Es gibt von BEN-E-BIKES extrem leichte Pedelecs, die bis 20km/h unterstützen, nur 10kg fahrfertig (!) wiegen und einen eingebauten Notstop haben, den die Eltern mit einer Funkfernbedienung auslösen können.“

Doch auch er weist darauf hin, dass ein Pedelec nicht für jedes Kind gleichermaßen geeignet sei. Sein Sohn habe mit Zweieinhalb Jahren das Fahrradfahren begonnen und fährt sehr sicher. Er sei körperlich gut ausgebildet, habe eine gute Körperbeherrschung, eine gute Motorik und bewege sich gerne und viel. Eltern sollten vorab genau hinsehen, um einschätzen zu können, ob ein Kinder-E-Bike in Frage kommt. Marc ist Admin der größten Facebookgruppe über Pedelecs, S-Pedelecs und E-Bikes und sehr weit bewandert, was E-Bikes und Co. Betrifft. Ihm traue ich durchaus zu, seinen Sohn da völlig korrekt einzuschätzen.

Viele Vorteile für Kinder und Familien

Familien, die über den Kauf eines Pedelecs für die Kinder nachdenken, sollten daher nicht nur die Nachteile sehen, sondern auch an die Vorteile denken: Natürlich steht ganz klar der Spaß im Vordergrund. Außerdem wird er Aktionsradius der Kinder erweitert und sie können bei großen Familienausflügen einfacher mithalten. Ganz ohne Belastungsspitzen, die sich auf das Herz oder die Kniegelenke niederschlagen könnten.

Selbst Familien die normalerweise nicht sehr sportlich unterwegs sind, könnten so animiert werden das Haus zu verlassen, frische Luft zu genießen und die Umgebung zu erkunden. So wie auch Papa André, der schon einige Kilometer mit seinem Sohn zurückgelegt hat.

Kind auf dem Pedelec: 9 Jahre, 58 Kilometer, 1500 Höhenmeter aufs Kitzbüheler Horn. Das Bike war ausgeliehen und wurde problemlos befahren. [Anmerkung] Die 20km/h erreichte das Kind auch mit dem normalen Rad. Bild: André Dannenberg