Vor zwei Jahren habe ich mir einen riesengroßen Traum erfüllt: ich wollte ein Lastenrad, ein Bakfiets. Warum kann ich nicht genau sagen, ich habe mich einfach verliebt in dieses Verkehrsmittel. Nun ist es seit zwei Jahren in meinem Besitz, ich liebe es noch immer, wie am ersten Tag und möchte euch heute einen kleinen Einblick geben, wie das mit dem Bakfiets so kam und was es für uns bis heute so besonders macht.

Die Zeit der Rad-losigkeit

Ich bin in Oldenburg aufgewachsen – einer Stadt, in der das Fahrrad mit 81% weit vor Autos oder Bussen als das beliebteste Verkehrsmittel gilt. Keine Frage also, dass mir das Radfahren im Blut liegt. Schon als Kind bin ich die 12 km zur Schule lieber mit dem Rad, als mit dem Bus gefahren. Man hatte frische Luft um sich, musste auf nichts warten und konnte auf dem Heimweg auch mal spontan an der Eisdiele halten. Wichtige Gründe, die das Radfahren für mich bis heute deutlich verlockender machen, als im Auto oder Bus zu sitzen. Vor 6 Jahren jedoch kam der erste von zwei Gründen zur Welt, der das Thema Radfahren für mich deutlich komplizierter machte. Meine Tochter. Zwei Jahre später mein Sohn. Damals lebte ich noch in Leipzig, einer Stadt in der ich mich nicht einmal alleine getraut habe Rad zu fahren, da man im permanenten Konflikt mit Autos oder Straßenbahnen steht. Die Strecken in der Leipziger Innenstadt hatten für mich nichts mit frischer Luft oder Entspannung zu tun und so habe ich mehrere Jahre gänzlich auf das Rad verzichtet.

Ba(c)k to the Fiets

Dann folgte ein erster Umzug – raus aus der Großstadt, rein in den grünen Gürtel rund um Rostock. Und nach wenigen Wochen in der neuen, grünen Umgebung wuchs in mir schlagartig wieder der Wunsch einfach aufs Rad zu steigen und durch die Gegend zu fahren. Ich wollte nicht ein Transportmittel, dass mich und meine Kinder von A nach B fährt – ich wollte die gemeinsamen Strecken genießen. Meine Kinder, 2 & 4 Jahre alt, waren natürlich noch zu klein, um selbst zu fahren und diese Anhänger mochte ich einfach nicht. Ich unterhalte mich gerne mit meinen Kindern und erkunde gemeinsam mit ihnen unsere Umgebung. Mit einem Anhänger konnte ich mir das einfach nicht vorstellen. Dann entdeckte ich das Lastenrad. Ein Fahrrad mit Holzkiste vorne drauf, urgemütlich, und es stand mitten im Park am Rande eines Spielplatzes. Wie cool war das denn?! Ich schielte so lange in die Richtung, bis ich den Namen auf der Kiste entziffert hatte und tauchte die nächsten Tage ab in die Google Recherche. Hier stieß ich erstmal auf zwei unterschiedliche Formen von Lastenrädern: Dreiräder und die längliche Version auf zwei Rädern. Ich bin eine sportliche Radfahrerin, daher habe ich mich schnell auf die längliche Version („Long-John“) konzentriert. Mittlerweile gibt es aber deutlich mehr Varianten von Lastenrädern und auch sehr dynamische Dreiräder, daher kann ich an dieser Stelle absolut keine Empfehlung aussprechen, sondern nur meine Entscheidung vor 2 Jahren begründen.

Das richtige Lastenrad finden

Nach kurzer Zeit war klar: ich will eins haben! Ich muss eins haben! Das kann ich mir eigentlich nicht leisten! Aber egal, ich brauche es! Noch ein paar Tage später stand ich auch schon im Laden – der nicht wirklich ein klassischer Laden war, sondern ein wenig improvisiert. ABER ich war überglücklich, dass es ausgerechnet in Rostock schon einen Händler gab, der sich auf Lastenräder spezialisiert hatte. Rene ist selbst begeisterter Lastenrad-Fahrer und hat mich mit seiner Begeisterung gleich noch mehr angesteckt. Ich habe mir unterschiedliche Modelle angeschaut, bin Probe gefahren und habe mich schnell für ein Modell entschieden. Da so ein Lastenrad ganz andere Ausmaße hat, als ein Fahrrad, war es mir wichtig, dass das Rad sich „passend“ anfühlt. Der Unterschied war tatsächlich sehr groß und bei einigen Modellen hatte ich ein sehr ungutes Gefühl, bis ich dann plötzlich auf meinem Rad saß und sofort merkte: das ist es. Ich kann daher nur Jedem empfehlen sich bei der Wahl des Rades Zeit zu nehmen und zu testen. Es gibt viele tolle Modelle, aber nicht jedes Modell passt zu jedem Fahrer.

First Steps in die Pedale

Ganz einfach war es am Anfang nicht. Tatsächlich fährt sich ein Lastenrad im ersten Moment sehr ungewohnt. Ich habe mich immer für eine gute Radfahrerin gehalten – nun musste ich das Fahren aber doch ganz neu lernen. „Guck einfach nicht auf das Vorderrat, Kopf hoch, Blick nach vorne, dann gewöhnst du dich ganz schnell dran!“ So in der Art war Renes Tipp. Bevor ich die Kids ins Rad geladen habe, bin ich einige Tage alleine gefahren, um mich sicher zu fühlen. Nach insgesamt 3 Wochen, dann auch mit meinen Kindern, bin ich mit dem Bakfiets aber schon durch die Straßen gecruised, als wäre ich nie etwas anderes gefahren. Ich hatte es geschafft, da war es nun, mein Lastenrad, mein geliebtes Bakfiets!

2 wundervolle Jahre

Ja, es war nicht billig. Ich habe mich vor zwei Jahren für ein motorisiertes Lastenrad entschieden und dafür einen insgesamt günstigeren Hersteller gewählt – so bin ich bis heute stolze Besitzerin eines Babboe und habe die Entscheidung nie bereut. Das Bakfiets hat unser Leben so sehr bereichert, dass ich um kein Geld der Welt darauf verzichten würde. Ein Lastenrad ist einfach mehr, als ein Verkehrsmittel. Für uns ist es ein Lebensgefühl. Wir verdrehen Köpfe, wenn wir gut gelaunt, die Kinder oft singend, mit unserem Rad durch die Straßen fahren. Mittlerweile leben wir wieder in Oldenburg. Hier sind wir längst nicht mehr die einzigen Lastenrad-Fahrer und trotzdem sorgt unser Rad immer noch für begeisterte Blicke. Der Weg von Zuhause bis in die Oldenburger Innenstadt sind ca. 6km, dort angekommen parken wir mitten in der Stadt, müssen uns um Parkplätze und -gebühren keine Gedanken machen. Einkäufe erledigen wird mit dem Bakfiets und transportieren auch den Kasten Wasser gemütlich bis in den Garten. Im Winter mit Dach und Lichterkette, im Sommer als Cabrio gleiten wir entspannt an Feierabend-Staus vorbei rein ins Grüne. Kuscheltiere, Kuscheldecken, ein Buch, das Lieblingsspielzeug oder ein kleines Picknick – alles hat Platz im Rad. Unser nächstes großes Projekt für dieses Jahr: ein kleiner Wochenendtrip an die Küste mit Bakfiets.

Fa(hr)zit

Natürlich werden meine Kinder nicht ewig mit im Bakfiets sitzen, aber zur Zeit freuen sie sich noch auf jede Tour und lernen schon jetzt, wie wir uns als Verkehrsteilnehmer mit Autos, anderen Radfahrern und Fußgängern arrangieren. So können sie die Situation als Radfahrer in Ruhe kennen lernen und beobachten.

Wenn wir auf/ in unser Lastenrad steigen haben wir also nie das Gefühl, wir würden auf Komfort verzichten. Wir fühlen uns Autofahrern gegenüber klar im Vorteil, genießen unsere Touren und schonen gleichzeitig noch die Umwelt. Im 19. Jahrhundert gab es die ersten Lastenräder, nun sind sie zum Glück wieder zurück und meiner Meinung nach ein Verkehrsmittel der Zukunft!