Der Sommer geht in die Verlängerung und lädt bei traumhaften Temperaturen zu großen Radtouren ein. Wenn da doch nicht immer der wunde Hintern einen Strich durch die Rechnung machen würde… Ursachen können ein falscher Sattel, falsche Radlerhosen oder eine falsche Haltung sein. Ich muss ja zugeben: Am liebsten radle ich in Jeans – das ist allerdings nicht wirklich förderlich für mein Gesäß und führt ab und an auch zu Wundstellen. Wir verraten, wie ihr euren wunden Po pflegt und wie Verletzungen vermieden werden können.

In erster Linie solltet ihr euren Hintern langsam an größere Touren gewöhnen. Auch Profi-Sportler machen immer wieder den Fehler, dass sie nach einer längeren Pause gleich Vollgas geben möchten – und anschließend Schmerzen beklagen. Also ruhig Blut und einfach mehrere kürzere Strecken fahren, das wird langfristig helfen, Probleme zu vermeiden. Ihr könnt euren Po aber auch über das klassische Fahrradergometer, einen Spinning-Kurs oder Rollentraining in Form halten.

Der richtige Sattel macht den Unterschied

So wie die richtige Pfanne für den Koch, ist der richtige Sattel ein wichtiges Werkzeug für den Radler. Das beste Rad taugt nichts, wenn der falsche Sattel drauf ist. Und dabei kann viel schief laufen: zu weich, zu hart, zu breit, zu dünn, zu groß, zu klein. Viele Radler kommen zu dem Trugschluss, ein weicher Sattel führt automatisch zu mehr Komfort. Doch hier liegt die Krux: Je weicher, desto größer die Chance, dass der Sattel Falten wirft. Diese erzeugen Druckstellen und Reibung und damit eben auch Verletzungen an der Haut. Wer zudem relativ schwer ist, riskiert, dass das Schambein direkt durch das weiche Material auf die harte Sitzschale drückt. Ein zu harter Sattel ist aber auch nichts. Und dann gibt es auch noch Sattel mit verschiedenen Abstufungen der Härtegrade….

Was also tun? Probieren geht über Studieren. Tatsächlich sollte man mehrere Sitze ausprobieren, bis der optimale Sitz gefunden ist. Alternativ kann man sich den Sitz aber auch anpassen lassen. Eine gute Beratung ist dabei Gold wert. Die Faustregel ist: Je aufrechter die Fahrposition, desto breiter sollte der Sattel sein. Die Sattel von Selle Royale mit stoßabsorbierenden „Royalgel“-Polsterung eignen sich in diesen Fällen beispielsweise sehr gut.

Anpassung beim Profi

Es gibt auch die Möglichkeit die idealen Sattel „auszumessen“. Wichtig ist nämlich der Abstand zwischen den Sitzbeinhöckern. Dieser ist je nach Person und Geschlecht individuell. Ihr könnt ihn beispielsweise beim Fachhändler bestimmen lassen oder selbst ausmessen. Einer der Vorreiter der „Sitzbeinhöckerbestimmung“ war dabei SQlab, die ihre Sattel in mehrere Breiten anbieten und ein eigenes System zur Vermessung entwickelt haben. Allgemein gilt: Für jeden Po gibt es den passenden Sattel. Ihr müsst ihn nur finden und auf individuelle Bedürfnisse ausrichten.

PS: Es soll gute 3-4 Wochen dauern, bis sich der Po an den neuen Sattel gewöhnt. Also habt etwas Geduld, aber lasst die Spucke weg. Bei wunden Pos gibt es tolle Salben, die Abhilfe schaffen können:

Was tun, wenn´s brennt

Wer bereits unter einem schmerzenden Gesäß leidet, sucht nach Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen. Erlaubt ist, was hilft. Wenn ihr weiter trainieren möchtet, empfiehlt es sich ein Schutzbalsam auf die gefährdeten Stellen aufzutragen. So bildet sich ein Schutzfilm über der Haut, der die Reibung zwischen Haut und Kleidung verhindern kann. Das kann der klassische Linola-Schutzbalsam sein, oder auch Melkfett und Vaseline.

Gegen die Schmerzen hilft auch Sixtus – Sport Gesäßcreme, Akileine Sports Nok Schutzcreme, Pferdesalbe, oder EMLA Salbe. Wer Kinder hat, kann auch auf die gute alte Wundschutzcreme aus der Baby-Apotheke zurückgreifen – kleiner Tipp aus Mamas Nähkiste. Auch Zinksalbe oder schwarzer Tee haben sich bei wundem Po schon bewährt. Und was für Babys gut ist, kann Erwachsenen ja nicht schaden, oder?

Bei bereits offenen, nässenden Wunden solltet ihr allerdings nochmal Vorsicht walten lassen und erstmal auf das Radfahren verzichten. Wascht die Wunde aus und besorgt euch entzündungshemmende Cremes aus der Apotheke. Was bisher auch immer sofortige Linderung verschafft hat: Ein Tannolact-Sitzbad.

Des Radlers neue Kleider

Wer kennt das nicht: Beim Radeln bilden sich Druckstellen durch die Hose oder Unterwäsche, die nach mehreren Kilometern immer deutlicher drücken und pieken. Im Schlimmstfall ist das Gesäß anschließend richtig schön wund und man schleppt noch lange ein Andenken an die Radtour herum. Perfekt wäre, wenn man nackig fahren könnte, allerdings soll es schon einige Fälle vom Nacktfahren gegeben haben, die eher nicht gut angekommen sind. Also was tun? Die richtige Radlerhose muss es sein!

Beim Hosenkauf solltet ihr auf einen guten Sitz und atmungsaktiven Stoff achten. Sitzt die Hose schlecht, wirft sie Falten und diese können durch Reibung wunde Stellen verursachen. Kaputte Hosen sollten einfach weggeworfen werden. Mit anatomisch geformten Radlerhosen aus elastischem Material macht ihr eigentlich nichts falsch. Sie sollten eng anliegen, damit vor allem die Haut im Schritt nicht aneinander reibt. Weibliche Fahrer sollten zudem darauf achten, dass die Hosen keine Mittelnaht im Polster haben, sonst wird es unangenehm. Wer möchte, kann Radlerhosen mit Sitzpolstern kaufen. Diese sollten allerdings hochwertig sein, da die Polster sonst das Gegenteil bewirken und die Fahrt schnell unangenehm wird. Manche Radler verzichten auch komplett auf Sitzpolster und schwören drauf. Probiert es einfach mal aus.

Verschiedene Passformen senken das Druckstellen-Risiko

Wer sich Hosen auf Vorrat kaufen möchte, fährt gut damit, wenn er verschiedene Marken kauft. Dadurch ändert sich automatisch die Hosenform und die Position der Druckstellen. Natürlich sollten die Hosen auch immer frisch gewaschen und trocken sein. Zieht bitte nicht die verschwitzte Radlerhose vom Vortag an – eine Zweithose ist durchaus sinnvoll. Verschwitzte Radlerhosen können zu Infektionen führen, da sich Bakterien dort sehr heimisch fühlen. Habt ihr dann noch eine wunde Stelle, wird der Spaß erst so richtig groß…

Wer noch immer Probleme hat, kann sich auch mit Sitzcreme behelfen. Diese wird auf die vermeintlichen Druckstellen und Sitzpolster aufgetragen. Natürlich könnt ihr auch zum guten alten Melkfett oder Vaseline greifen. Jetzt noch schnell die Unterwäsche ausziehen und rein in die Radlerhose. So vermeidet ihr Falten und nervige Druckstellen. Nach der Radtour empfehlen wir, die Hose so schnell wie möglich auszuziehen und eine erfrischende Dusche zu genießen.

Wie man sich bettet, so fährt man

Der beste Sattel hilft leider nichts, wenn der Fahrer mit falscher Sitzhaltung fährt. Generell solltet ihr es vermeiden, das gesamte Gewicht in den Sattel beziehungsweise auf den Po zu legen. Verlagert euer Körpergewicht gern ein Stück zum Lenker hin.

Wer auf Trekkingrädern, Mountainbikes, Reise- oder Rennrädern unterwegs ist, sollte sich für eine geneigte Sitzposition entscheiden – das empfiehlt auch der ADFC. Eure Arme sollten stets leicht angewinkelt sein, da gestreckte Arme zu Krämpfen in Handgelenken und Schultern führen könnten. Wer richtig sitzt erhält sich die natürliche S-Form der Wirbelsäule und entlastet Arme und den Kopf.

Wer lieber aufrecht sitzt, sollte zum Hollandrad greifen. Dabei sollte der Lenker nicht zu hoch eingestellt werden, weil ihr sonst einen Katzenbuckel (Rundrücken) macht. Sieht nicht elegant aus und tut nach ein paar Metern auch gut weh.

Checkliste für einen heilen Po

Das war jetzt viel Input, oder? Wir haben unsere Tipps nochmal in einer Checkliste zusammengefasst:

  • Nach längeren Pausen kürzere Touren planen
  • Individuellen Sattel mit richtiger Härte und Breite kaufen
  • Elastische, atmungsaktive Radlerkleidung kaufen
  • Immer frische Radlerhosen nutzen
  • Mehre Hosenmodelle nutzen, um Druckstellen zu vermeiden
  • Keine Unterwäsche unter der Radlerhose tragen
  • Schutzbalsam vor Touren auf gefährdete Stellen reiben
  • Korrekte Sitzhaltung entsprechend des Radmodells wählen
  • Div. Salben und Hausmittel helfen gegen wunde Stellen