Wie sieht das E-Bike der Zukunft aus? Wohl wie ein futuristisches Fahrrad, meint die Branche, die sich vom 30. August bis zum 2. September auf der EUROBIKE trifft. Das heißt vor allem: Akku und Motor werden in den Rahmen integriert. Die Messe will den aktuellen Stand der Entwicklung abbilden. Was der Trend zum versteckten Antrieb für E-Räder und ihre FahrerInnen bedeutet.

Hersteller experimentieren  

Fakt ist: Die Integration des Antriebs in den Rahmen ist kein neues Thema. Die Hersteller tasten sich seit längerem heran. Dabei befinden sie sich auf unterschiedlichen Ebenen. Während die einen noch mit sichtbaren Akkus experimentieren, die sich an das Unterrohr schmiegen, sind die anderen schon bei der kompletten Integration angelangt. In die erste Kategorie gehören zum Beispiel die S-Pedelecs von Riese und Müller.

Bei diesem E-Modell schmiegt sich der Akku schon an das Unterrohr. Foto: Ammerländer Versicherung, Manuela Sies

Bei diesem E-Modell schmiegt sich der Akku schon an das Unterrohr. Foto: Ammerländer Versicherung, Manuela Sies

Unsichtbar ist „in“

Einige Hersteller sind schon weiter, besonders im Premiumsegment.

„Auch die Motoren werden zunehmend angepasst und ins Fahrrad eingelassen, ebenso werden Bremsleitungen und Schaltzüge durch den Rahmen gezogen um alles clean zu bekommen“,

weiß Timur Baykal, Zweiradmechanikermeister und Fahrradspezialist der Ammerländer Versicherung. Zu den Firmen, die bereits Akku und Motor in den Rahmen integrieren, gehören etwa die E-Mountainbike-Hersteller Bulls, Rotwild und Kalkhoff.

Unterschiedliche Design-Ansätze

Wo die Reise hingehen kann, zeigt zum Beispiel das italienische Designhaus pininfarina in Kooperation mit Diavelo: Das E-voluzione wurde im vergangenen Jahr mit dem Eurobike Award ausgezeichnet und soll Medienmeldungen zufolge ab Herbst erhältlich sein. Auch Akku-Hersteller (Shimano, Bosch, etc.) positionieren sich entsprechend am Markt beziehungsweise planen es für die nahe Zukunft. Das Ziel: schlanke, integrierbare Akkus für die Hersteller – bislang vor allem im E-MTB-Segment.

Integration von Antrieb und Akku made in Italy von pininfarina, ausgezeichnet bei der vergangenen EUROBIKE. Foto: Foto: EUROBIKE Friedrichshafen

Integration von Antrieb und Akku made in Italy von pininfarina, ausgezeichnet bei der vergangenen EUROBIKE. Foto: Foto: EUROBIKE Friedrichshafen

Was heißt das für Bikes und Fahrer?

Der Trend zum schlanken Akku dürfte in Sachen Reichweite positiv sein, meint Timur Baykal. „Die integrierbaren Akkus werden nicht nur leichter und kompakter, sondern auch immer leistungsstärker.“ Auch für die Wartung und Handhabung ist die Integration seiner Meinung nach kein Nachteil, da die Akkus so integriert werden, dass sie leicht herausnehmbar sind. Ein weiteres Plus: Sie sind besser verpackt, zum Beispiel bei Stürzen. „Der Rahmen schützt den Akku“, erklärt der Timur Baykal. „Der integrierte Akku fällt dann auch nicht mehr so schnell aus der Halterung.“ Trotzdem komme man  Dennoch nach einem starken Sturz nicht um eine Prüfung in der Fachwerkstatt herum.

Die Sache mit dem Preis

Optische Angleichung, moderne Designs, integrierter Antrieb – das klingt gut und schön. Nur was heißt das für den Kaufpreis? Schon im vergangenen Jahr sind die Durchschnittspreise für E-Bikes und Pedelecs laut Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ) gestiegen. Werden E-Räder also noch teurer?  „Davon gehe ich nicht aus“, sagt Timur Baykal. „Natürlich zahlt man auch für die Optik und die Verarbeitung eines Fahrrads, aber es werden schon jetzt Angebote für verschiedene Bedürfnisse gemacht und ich denke, das wird so bleiben.“

Klassiker oder Auslaufmodell? Gut sichtbarer Akku am Gepäckträger. Foto: Ammerländer Versicherung, Manuela Sies

Klassiker oder Auslaufmodell? Gut sichtbarer Akku am Gepäckträger. Foto: Ammerländer Versicherung, Manuela Sies

Das Aus für das klassische E-Bike?

Nach Einschätzung von Branchenexperten und der Eurobike-Macher nimmt das Innovationstempo weiter zu. E-Räder und konventionelle Fahrräder würden sich weiter  optisch angleichen, heißt es in einer Messe-Mitteilung. Das Verschwinden des guten alten E-Bikes mit sichtbarem Antrieb prophezeit aber noch keiner. Vielmehr soll es zum „Statement“ werden, mit dem sich FahrerInnen bewusst als E-Biker „outen“. Auch Timur Baykal glaubt, dass sich der Klassiker hält, aber aus Kostengründen. Der Preis für Modelle mit sichtbarem Akku falle moderater aus.

„Natürlich werden noch klassische E-Räder unterwegs sein. Dennoch gehe ich davon aus, dass eingebaute Akkus die Zukunft sind. Das Rad hat damit eine wesentlich schönere Form und Linie.“

Eurobike 2017: Selbst sehen

Wenn ihr nun wissen wollt, wie die neuesten Designs und Modelle ausfallen, könnt ihr euch auf der Eurobike 2017 in Friedrichshafen selbst überzeugen. Zwar sind die ersten Messetage dem Fachpublikum vorbehalten, am 2. September öffnen sich die Tore aber zum Festival Day, dem Publikumstag. Auch das Team der Ammerländer Versicherung ist mit einem Stand dabei (Foyer West, Stand FW 205).

Fotos in diesem Beitrag: EUROBIKE Friedrichshafen, Ammerländer Versicherung