Als ich mir mein Pedelec gekauft habe, war ich richtig aufgeregt, aber auch ängstlich. Immerhin hat dieses „Fahrrad“ den Wert eines gebrauchten Kleinwagens. Und jetzt sollte ich mit diesem wertvollen Stück fahren, vielleicht auch mal unbeaufsichtigt stehen lassen?

In meiner Magengrube zog es sich ein wenig zusammen. Klar, wenn man das Pedelec gut versichert, würde man im Fall des Diebstahls ein gleichwertiges E-Bike ersetzt bekommen. Aber es wäre dann nicht mein „Stevie“. Es wäre dann vielleicht ein Herbert oder ein Boscherl. Nennt mich emotional, aber ich gebe selbst meinem Laptop (Mau) und meinem Auto (Dante) einen Namen und wenn sie defekt sind, bin ich sehr traurig.

Also, was tun, wenn meinem Stevie doch was passieren sollte und ich ihn unbedingt wiederhaben will? Nun ja, ich könnte mich zum Beispiel als „FahrradJäger“ registrieren – kostenlos versteht sich. Als Teil der FahrradJäger-Community soll mein Rad dann wieder den Weg zu mir zurückfinden. Wie das genau funktioniert und was ein „insect“ damit zu tun hat, hat mir Frank Melz im Interview erklärt.

Ein Tamagotchi für´s E-Bike

insect ist ein Gerät, welches am Rad befestigt wird und Alarm schlägt, sobald das Bike unberechtigterweise entfernt wird. Interessant ist natürlich wie „insect“ seinen Eigentümer erkennt: Das soll via Bluetooth geschehen, sodass das Gerät mit dem Smartphone des Eigentümers verknüpft wird. Dadurch soll eine Art „ganz eigene und persönliche Verbindung“ geschaffen werden. Die Entwickler setzen aber noch einen obendrauf: insect soll dem Besitzer hin und wieder ein Feedback dazu geben, wie es sich gerade „fühlt“. Also beispielsweise, dass es gern mal wieder bewegt werden möchte oder es kommuniziert die Anzahl der gemeinsam zurückgelegten Strecke.

„insect ist also mehr als einfach nur ein Gerät – es ist der Beschützer Deines Fahrrads. Es wacht über das, was Du liebst!“

Das ist schon irgendwie kitschig und erinnert mich an diese Tamagotchis, die in meiner Kindheit hoch angesagt waren. Wer erinnert sich? Wenig später gab es sogar Pokemon-Verschnitte dazu. Irgendwie fehlt mir die Zeit ja ein bisschen…

Zurück zu insect: Woher weiß das Gerät nun eigentlich, ob das Rad gestohlen worden ist? Die Antwort scheint simpel: „insect erkennt, wenn es bewegt wird, obwohl es eigentlich stehen sollte und gibt unmittelbar Alarm.“ Nicht nur der Besitzer des Rads, sondern alle FahrradJäger in der unmittelbaren Umgebung werden nun benachrichtigt, sodass diese die Augen offen halten können. Fehlalarme sind ausgeschlossen, da insect den Besitzer sofort am Smartphone erkennen könnte.

Kern eines solchen Systems ist natürlich eine große Community, die sich aktiv beteiligt und auch dann agiert, wenn nicht das eigene Rad gestohlen wird. Tatsächlich gehen aber bereits täglich neue Vorbestellungen zu insect ein, die FahrradJäger-Community wächst zusehends. Positiv dabei ist zudem, dass sich die Bestellungen deutschlandweit verteilen und somit beinahe alle Regionen des Landes „abgesichert“ werden. Um dies zu gewährleisten wird eine spezielle App entwickelt, die Community und den Bestohlenen bei der Suche unterstützen soll.

Was die FahrradJäger App alles leisten kann

Die FahrradJäger-App wird im App Store und Google Play Store kostenlos bereitgestellt, eine Version für Windows Phones ist bereits geplant.

„Alle Funktionen sind auf Fahrradfahrer abgestimmt, unterstreichen die individuelle Verbesserung durch die Gemeinschaft und können zum Teil auch ohne insect genutzt werden“.

Zunächst soll die App quasi als „Warnsystem“ fungieren und FahrradJäger der Umgebung alarmieren, wenn ein Rad geklaut wird. Diese Funktion soll dann allerdings später von insect selber übernommen werden, welches dann auch als „Peilsender“ fungiert.

So wird insect am Rad befestigt

Generell ist die Flaschenhalterung des Rades zur Anbringung des insects vorgesehen. Räder, die keine Flaschenhalterung besitzen, werden mit einer speziellen Rahmenschelle ausgestattet, mit der das insect ganz leicht angebracht werden kann. Ist insect erst einmal mit dem Rad verbunden, kann es so schnell nicht gelöst werden. Falls ein Dieb doch auf die Idee kommt, das Gerät lösen zu wollen, wird der Fahrradrahmen nachhaltig beschädigt, sodass das Rad erheblich an Wert verliert. Die Alarmfunktion und Benachrichtigung der Community tun ihr übriges.

Kleiner Nachteil: Das Bluetooth des Smartphones muss dauerhaft aktiv sein, um alle Funktionen durchgehend gewährleisten zu können. Für mich persönlich ist das problematisch, da mein Akku ohnehin schon starke Kapazitäts-Einbußen aufweist, und ich das Handy somit ständig laden müsste. Wird also Zeit aufzurüsten und mein FahrradJäger-Equipment adäquat anzupassen, oder? Natürlich macht es Sinn, dauerhaft via Bluetooth erreichbar zu sein, um keine Mitteilung oder Alarm zu verpassen. Tatsächlich soll die Bluetooth-Funktion auch nur knapp 1 Prozent der Tagesakkulaufzeit beanspruchen. Frank steht dem sehr optimistisch gegenüber und sieht noch weitere Optimierungsmöglichkeiten:

„In der Vergangenheit wurde die Bluetoothtechnologie stark optimiert und wird auch in der Zukunft mit weiteren Überraschungen den „smarten“ Markt verstärken.“

Top Secret: Die Entstehungsgeschichte der FahrradJäger

Auf die Frage, wie die Idee zu den FahrradJägern überhaupt entstanden ist, hat Frank mir eine wunderbare Anekdote erzählt. Tatsächlich wurde dem Gründer – Martin Jäger – im Frühjahr 2011 das geliebte Rennrad geklaut. Es war das fünfte Rad in Folge, doch an diesem hing sein Herz besonders (kann ich gut verstehen, Martin). Zusammen mit Steffi hat er (ein wenig wütend) überlegt, wie er seine Räder in Zukunft wohl schützen könne – umgeben vom Gebrüll der Löwen des Rostocker Zoos, in dessen Nähe er wohnte. Das sorgte dann auch für die passende Atmosphäre des energiegeladenen Gesprächs.

„Schließlich kam man zu dem Ergebnis, dass nur eine Community stark genug ist Räder vor Diebstahl zu schützen – die Idee zu FahrradJäger wurde geboren. Gut gebrüllt Löwe! „

(Anmerkung des Teams: Martin selbst versucht diese Geschichte immer zu verschweigen, wir wissen jedoch genau wie FahrradJäger entstanden ist!)

Mit der Grundidee war es allerdings noch nicht getan. Wie jedes StartUp stand auch FahrradJäger vor einigen Hürden. Zunächst einmal musste ein Team gefunden werden, welches den Ansprüchen des Unternehmens gerecht werden konnte. Es zählten Engagement, Enthusiasmus, kreatives Denkvermögen und Leidenschaft. Davon kann ich aus meiner StartUp-Zeit ein Liedchen singen.

Dabei kristallisierte sich die Idee zu insect und der App erst später heraus. Zunächst stand die Fahrrad-Community im Vordergrund. Mittlerweile wurde das Team auf sechs feste Mitglieder ausgebaut. Unterstützt wird dieses zudem durch tatkräftige Praktikanten. Das Team ist nicht zu bremsen. Wir werden weiter am Ball bleiben und den Verkaufsstart des insects dokumentieren. Natürlich möchte ich mich auch selbst der FahrradJäger-Community anschließend, sobald die App auch für mein WindowsPhone verfügbar ist. Ganz lieben Dank an dieser Stelle an Frank, der meine Fragen geduldig und ausführlich beantwortet hat. Ich hoffe, dass FahrradJäger und die geballte Kraft der Radler-Community den Dieben zukünftig einen Strich durch die Rechnung machen werden!

insect - INTELLIGENT SECURITY TECHNOLOGY

Foto: www.fahrradjaeger.de

 

PS: Wer möchte kann sich auch eine QR-Code Sicherung von FahrradJäger besorgen. Dieser soll in erster Linie zur Abschreckung dienen: „Mit Hilfe des QR-Codes wird die Hemmschwelle für einen Fahrraddiebstahl signifikant erhöht.“ Weiterhin kann so aber auch Diebesgut leichter gefunden und identifiziert werden. Der QR-Code ist aus speziellem Material hergestellt. So zerfällt der Sicherheitsaufkleber in winzige Teile, wenn versucht wird, diesen zu lösen.

Update: Worauf ihr beim Bestellen achten müsst

Kleiner Tipp für alle, die jetzt gerne ein insect haben möchten: In der Community ist zu hören, dass es je nach Bestelldatum und Modell wohl zu längeren Lieferzeiten kommen kann. Wir haben deshalb beim Team nachgefragt und folgende Auskunft erhalten:

„Tatsächlich mussten wir den Liefertermin für das schwarze insect bei vielen Vorbestellern verschieben.
Die bisher kommunizierten Liefertermine haben zu jeder Zeit den aktuellen Stand sowohl unserer Entwicklung, als auch den aktuellen Wissens- und Feedbackstand unserer Produzenten und Lieferanten berücksichtigt. Die Komplexität im Produkt bringt allerdings mit sich, dass eine Vielzahl solcher Bausteine zu der richtigen Zeit richtig ineinander greifen müssen. Das ist uns und unseren Zulieferern und Produzenten leider nicht immer gelungen.“

Fahrradjäger weist darauf hin, dass aber „bereits viele Tausend Produkte erfolgreich in den Markt“ gebracht wurden. Wer vielleicht schon bestellt und Fragen zu seiner Lieferung hat, kann sich direkt beim Team melden: Per Mail über willkommen@fahrradjaeger.de oder telefonisch unter 0381 – 36768170.