„Sieht der da im Auto mich eigentlich?“ Gefühlt habe ich mir diese Frage auf dem Rad seit Monaten nicht gestellt. Sind die Tage lang und sonnig, ist das meist nicht notwendig. Mit dem schummrigen Herbstlicht drängt sich das Thema Beleuchtung nun wieder in den Vordergrund. Welche Eigenarten die Beleuchtung für E-Bikes und Pedelecs hat und welche aktuellen Trends es gibt.

Der Markt gibt Einiges in Sachen Fahrradlicht her. Das ist mitunter verwirrend, zumal ja auch noch alles StVZO-konform sein muss. Yasmin hat für euch im Frühjahr schon Tipps zur Anbringung, Beleuchtungsstärke und zu rechtlichen Bestimmungen für die Fahrt im Dämmerlicht zusammengetragen. Sind die grundsätzlichen Anforderungen geklärt, geht es in die Details. Dazu gehören Art und Leistungsfähigkeit der Beleuchtung.

Seitenläuferdynamo? Das war einmal…

Er brummte, sirrte und manchmal kreischte er sogar: Der Seitenläuferdynamo war lange der Klassiker der Fahrradbeleuchtung. Für mich ist sein Singsang immer noch ein typisch nostalgisches „Fahrradgeräusch“ 🙂 Vor allem bei sehr schlechtem Wetter (starke Nässe, viel Schnee) hat dieser Dynamo aber Nachteile. Dann liefert er unzuverlässig Strom, der Scheinwerfer sendet Licht-Morsezeichen oder gibt den Geist gleich ganz auf. Die Nachfolger sind Nabendynamos. Zusammen mit leistungsstarker LED-Technik sind sie auch bei miesem Wetter zuverlässig. Für E-Bikes und Pedelecs hat sich eine weitere Variante etabliert: Der Strom für die Beleuchtung wird vom Akku gespeist.

Gutes Licht als Lebensversicherung

Dieser Entwicklungsschritt wurde mit der Abschaffung der Dynamopflicht  vor fünf Jahren möglich. Laut pressedienst fahrrad  liegt der Unterschied zum Nabendynamo in der Elektronik:

„Während ein Nabendynamo sechs Volt Wechselspannung liefert, verfügt der E‐Bike‐Akku über eine nicht genormte, systemabhängige Gleichspannung zwischen sechs und 36 Volt.“

Spannungswandler machen Scheinwerfer demnach mit unterschiedlichen E-Antrieben kompatibel. Laut ADFC funktioniert das Licht selbst dann noch für mehrere Stunden, wenn der Akku so geleert ist und der Motor abschaltet.

Diese Licht-Variante kann auch starke Scheinwerfer mit Strom speisen. Im Alltag sind häufig LED-Scheinwerfer mit einer Bleuchtungsstärke von 40 bis 70 Lux vertreten. Es gibt aber auch solche, die 100 Lux überschreiten. Besonders für Besitzer von E-Bikes und Pedelecs ist leistungsstarkes Licht eine Lebensversicherung.

Licht wie am Auto

Wer flott mit dem E-Antrieb unterwegs ist, muss sehr vorausschauend fahren. Die Sicht ist in der Dämmerung (vielleicht noch mit Nebel oder Regen) nicht die beste. Hinzu kommen Hindernisse und rutschige Blätter. Es braucht also ein gut ausgeleuchtetes Sichtfeld. Mittlerweile denken die Entwickler der Branche noch weiter, weiß Timur Baykal, Zweiradmechanikermeister und Fahrradexperte der Ammerländer Versicherung:

„Der Trend geht hin zu Fern- und Bremslicht für E-Bikes und Pedelecs. Die Technik gleicht sich an die Beleuchtung von Autos an.“

Fahrradexperte Timur Baykal. Foto: Ammerländer Versicherung

Fahrradexperte Timur Baykal. Foto: Ammerländer Versicherung

Damit findet das schon übliche Standlicht Erweiterung. Natürlich muss jeder selbst entscheiden, ob er sein E-Bike oder Pedelec gleich mit Fern- oder Bremslicht ausstattet. Hier sind das eigene Sicherheitsbedürfnis und die Fahrgewohnheiten ausschlaggebend. Mit Beleuchtungsstärken um die 150 Lux bedeutet das Fernlicht wohl eine Verbesserung für das vorausschauende Fahren, allerdings nicht immer. Wie beim Autofahren auch muss innerorts bei Gegenverkehr zwingend abgeblendet werden. Das Bremslicht ist laut pressedienst fahrrad an die Bremsanlage gekoppelt. Vor allem im Stadtverkehr kann es vor Zusammenstößen schützen.

5 Tipps für den Licht-Check

Egal welche, die Ausstattung muss genau wie Reifen, Kette und Bremsen regelmäßig geprüft werden. Unsere Tipps für den Licht-Check:

  1. Beim Frontscheinwerfer bemerkt man Störungen automatisch, anders beim Rücklicht. Daher den Blick hierhin nicht vergessen!
  2. Nicht nur die Lichter an sich sind Fehlerquellen. Auch die Verkabelung solltet ihr prüfen.
  3. Blenden unerwünscht: Gerade bei leistungsstarken Frontscheinwerfern besteht die Gefahr, andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Eckt das Rad irgendwo mit dem Scheinwerfer an oder kippt um, verstellt er sich leicht. Für die richtige Höhe ist also regelmäßiges Justieren notwendig. Unsere 7 Schritte zur perfekten Beleuchtung zeigen wie das geht.
  4. Besondere Aufmerksamkeit bei der richtigen Lichteinstellung brauchen laut pressedienst fahrrad Cargobikes und E-Klappräder.  Bei Cargobikes sei das Nachstellen wegen der starken Zuladung wichtig. E-Klappräder falten wir ständig und schieben sie in der Bahn oder der Wohnung in Nischen. Da ruckelt es natürlich auch am Licht. Regelmäßiges Überprüfen schadet also nicht.
  5. Es klingt banal, wird aber gerne vergessen: Der beste Scheinwerfer nützt verdreckt wenig. Deshalb Lappen raus und putzen, bitte 🙂

 

Quelle Aufmacherfoto: pixabay/djedjenny